The Captain's Place

  • Mal wieder Magdeburg - Frau Schwester ist Schuld:

    Arminia Magdeburg vs Stahl Thale 5:3 (1:3)


    Letzte Wüche überraschte mich meine Schwester mit einer Tourenanfrage, die natürlich umgehend für Feldforschung und eine breite Vorschlagspalette genutzt wurde. Von Waren bis Meißen war alles dabei, aber MD ist relativ gut erreichbar und es standen noch Sehenswürdigkeiten auf dem Programm, nachdem ich zuletzt zweimal dort war (der 1.FC M im Dezember und vorher Besiegdas im Sommer).


    Zunächst ging es nordöstlich zum alten Marktplatz samt Ottonen-Denkmal, dem benachbarten Otto-von-Guericke-Denkmal mit dem großartigen Straßennamen "Zum Katzensprung" und der benachbarten Johanneskirche. Letzte bietet moderne Kirchenfenster, doch leider war dort eine Veranstaltung und deswegen gesperrt. ZUmindest der Turm war zugänglich, doch die Treppe ein Schmaus für Künstler: jede Stufe ein Unikat. Im Sauseschritt dort hoch und vom Muskelkater habe ich jetzt noch was .. zumindest wird der Aufstieg mit einem tollen Ausblick belohnt. Nachteil: es ist immer noch Magdeburg und die sporadischen Sehenswürdigkeiten werden von zahllose Neubauten und Einkaufspassagen überdeckt, die gnadenlos in die Innenstadt gepflanzt wurden.


    Danach am alten Kloster vorbei zum Dom. Hier zeigt sich die Stadt von der besten Seite, überall war Großputz angesagt und der Dom ist schon ein Highlight. Nicht weit entfernt ist das phänomenale Hundertwasserhaus in Rosa mit golden Kugeln auf den Dächern und verschlungenen Gängen, durch die man zu zwei kleinen Innenhöfen gelangt, in den man im Sommer schön einkehren kann. Absolute Empfehlung!


    Nach einer Pause im Seoul Garten schnell einen Abstecher zur Hubbrücke, die leider noch gesperrt ist, aber bei der hätte die Schwelle ohnehin gestreikt. Die Sperre mit einem Fahrradschloss war allerdings recht halbherzig verriegelt und die nächste Fußgängerin mit Hund schlängelte sich problemlos durch. Da auf der anderen Seite die Alternative zum ausgwählten Spiel stattfand, blieb es bei meinem ersten Spiel einer Arminia. Unser Glück: dort stand beim Spiel zwischen dem SV Seilerwiesen MD und Heyrothsberge (?) ein margeres 0:1 im zu Buche.


    Arminia Magdeburg

    Gen Süden zum Sportplatz bekommt man eine Idee, wie Magdeburg früher aussah. Gründerzeitbauten besänftigen das nach schöner Architektur lechzende Auge und der Sportplatz der Arminen ist gut erreichbar von der Innenstadt.


    Ein modernes, zweistöckiges Gebäude mit Wappen und Vereinslokal unten begrüßt die Gäste. Der freundliche Mann am Einlass bestätigt, dass es auch Zeug gibt und führt mich direkt zu den richtigen Ansprechpartnern. Der ist erstmal sicher, dass es keine Nadeln gibt. Pins? Doch, Pins haben wir. Wir gehen nach innen zum Allerheiligtum und die Auswahl überzeugt. Eine Kiste mit Nadeln findet sich doch, sowohl vom Vorgängerverein Motor Süd Magdeburg als auch mit dem aktuellen Logo, dazu einen Pin und noch jeweils einen Aufnäher mit altem und neuen Wappen.


    Mit glücklichem Sammlerherz noch zwei Bier geholt (wer will denn Bitburger vom Faß? Dann lieber Spaten aus der Flasche, umgefüllt in sehr schöne Vereinsbecher). Obwohl es bereits Punkt 15:00 ist, stapfen zunächst die Gäste in mintgrünen Trikots Richtung Platz. Die Trikotfarbe scheint ein Trend zu bleiben. Am Tresen merkt meine Schwelle noch an, dass sich die Trikotfarbe mit der Rasenfarbe beisst - kaum war der Satz draußen, fiel ihr erst der Pulli der Wirtin auf. Mintgrün natürlich. :D :D :D


    Der Platz

    Ein schnöder Kunstrasenplatz, aber mit erhöhtem Zuschauerbereich mit Eisenbahntrasse direkt hinterm Zaun. Somit ist zumindest für etwas Bewegung neben dem Platz gesorgt. Wohin? Am Pulk vorbei zwischen der Rentnergang und dem Gästebereich war tatsächlich noch eine Bank frei. Bestens. rechts neben uns die Meckerrenter, die aber leider sehr ruhig blieben und links neben uns drei Stahl-Fans, die aber während des Spiels immerhin noch Verstärkung von zwei Zuspätkommern bekamen.


    Der Gast

    Stahl Thale vom nordöstlichen Harzrand hat nicht nur ein brennendes "T" im Wappen, sondern kämpfte sich dereinst sogar in die zweithöchste DDR-Liga. In den 90ern noch regional am Ball spielt Stahl seit diesem Jahrtausend durchgehend unterhalb der Verbandsliga.


    Arminia MD

    Gegründet als Motor Süd-Magdeburg und 1991 umbenannt. Kein Wiki-Eintrag und auch keine Info auf der Webseite. Schade.


    Spiel

    Beide Vereine mäandern noch über der Abstiegszone herum, aber ein Sieg verschafft etwas Luft nach unten. Die Gastgeber beginnen druckvoll und gehen früh mit 1:0 in Führung. Stahl muss nun kommen und hat vorne spielstarke Anspielpartner, die das Spiel innerhalb einer Viertelstunde auf 1:3 drehen und auch in der Folge am Drücker bleiben. Arminia mausetot und die Gäste dem 4:1 näher als der Gastgeber am gegnerischen Strafraum.


    So ging es in die Halbzeit und nach dem Pausentee blieben die Gäste auch mental in der Kabine und machten gar nichts mehr. Zunächst reichte das auch, bis einer der Gastgeber den Hammer herausholte und urplötzlich den Anschluss herstellte. Nun spielte nur noch Arminia und ein Elfer führte zum Ausgleich. Mit zwei weiteren Treffern sicherte sich der Gastgeber den Sieg, während die Trainerbank die zwei Elfer als Geschenk betrachteten und sich dafür Gelb beim Schiedsrichter einhandelten.


    Kurioserweise nahm kaum einer vor der vielleicht gravierenderen Fehlentscheidung Notiz: der zentrale Verteidiger der Arminen verlor den Ball und hielt den nachsetzenden Gegner am Trikot fest. Der wäre zentral an der Strafraumgrenze durch gewesen ..

  • Viktoria Templin SV Zehdenick

    Vorletztes Wochenende stand endlich Viktoria Templin auf dem Programm. Templin liegt im weiten Norden Brandenburgs und bietet neben einem Western-Themenpark vor allem eine kleine Altstadt mit imposantem Stadttor, dass man als Durchfahrender im Vorbeifahren sieht. Hinter der Altstadt gibts dann noch einen See und ein schickes, kleines Stadion. Mitte März, als es endlich schön wurde die erste nennenswerte Tour 2026. Doch Pustekuchen - der durchgeweichte Boden ließ wohl kein Spiel zu und mein Blick auf fussball.de auf dem Weg dorthin nur wenig Ausweichmöglichkeiten, da ich für den Platz eine viel zu kurze Nachtruhe in Kauf nahm.


    Was liegt auf dem Weg? Nördlich von Oranienburg Kleinststädte, aber mit Zehdenick immerhin ein ehemaliger Verbandsligist, der nach dem Abstieg sich erst noch finden muss und auch eine Liga tiefer gegen den Abstieg kämpft.


    Der Ort

    Offiziell mit Stadtrecht ausgestattet läuft man durch enge Dorfstraßen, die Feldsteinkirche mit markantem Turm ist zumindest imposant und das Rathaus bildet eine Art Zentrum. Die Havel fließt vorbei und sorgt zumindest für eine kleine Promenade und eine markante Mühle. Eine Infotafel an der Außenwand klärt Wagemutige auf, die sich auf das altersschwache Gestell wagen, da es rund drei, vier Meter runter an dan Havelrand geht.

    Und ja, einmal muss das Klischee doch erfüllt werden: drei Halbstarke mit Thor Steinar - Jacken tapsen vorbei, eine lebende Karikatur der 90er in der ostdeutschen Provinz. Vor dem Spiel suchte ich eine Stärkung und fand einen Inder beim Rathaus, der wohl in den alten, lokalen Gasthof einzog und eine kuriose Mischung aus Bollywood und hässlicher Früh-90er Einrichtung beherbergt. Da steht ein Buddhakopf neben einem Holzhirsch im Flur. :D

    Der Platz

    Durch den Ort steht man plötzlich kurz vor der Eckfahne und sucht nach Kartenhäuschen und Eingang, doch es ist eine private Einfahrt und eine Oma werkelt im Garten herum. Wie viele Auswärtige wohl dort regelmässig im Garten stehen?


    Irgendwann findet man doch am Ende einer Sackgasse den richtigen Eingang. Ein kleines Stadionheft gibts obendrauf, leider keine Souvenires. Der Rasenplatz sieht gut aus, aber ist auch hier nicht bespielbar und so wird auf den Trainingsplatz ausgewichen. Zumindest die Versorgung passt und es gibt Vereinsbeche mit dem schwarz-weißen Vereinswappen, einem halben Adlers links und einer halben französischen (?) Königslilie rechts.


    Der Gast

    Schönow liegt noch hinter Schwedt irgendwo noch weiter nordöstlich, das Wappen recht öde, nur Fußball spielen sie halt besser, durch Grenznähe auch mit guten polnischen Kickern.


    Das Spiel

    Der beste Torschütze hört aber auf den Namen Hein-Peter Splett. Wessen inneres Auge einen hageren Typen mit Ringelpulli, Pfeiffe und Seemannsmütze sieht - es ist das Gegenteil. Nur langweilt sich Hein-Peter vorne allein und lässt sich trotz permanenter Rufe eines Typen in Schönower Trainingskluft, vorne zu bleiben, immer wieder ins Mittelfeld fallen, wo seine Mitstreiter zwar schnell den Ball erobern und ihre Sturmspitze suchen, der aber immer neben ihnen steht.


    Irgendwann bleibt Hein-Peter dann doch mal vorne und dann geht es auch fix zur Entscheidung: weiter Ball aus dem Mittelfeld auf den linken Flügelflitzer, der seinem bewacher jedes Mal enteilt, Hereingabe und H-P muss jeweils nur noch den Fuß hinhalten. Klappt zweimal nahezu identisch, beim dritten Mal geht der Ball nur an den Pfosten.


    Das dritte Tor fällt dann doch, obwohl die Gäste reihenweise Chancen versieben. So darf Zehdenick noch einmal Hoffnung schöpfen als John Lormis, Stoßstürmer und Hauptpiesacker der gegnerischen Waden & Nerven noch seinen Treffer macht, doch es reicht nicht.


    Zehdenick hat die letzten beiden Wochenenden auch verloren, zuetzt bei Angermünde und gegen Fast-Namensvetter Zepernick. Langsam müssten sie mal in die Puschen kommen.


    Landesliga-Nord Brandenburg

  • Freitag Abend: SG Bornim vs Viktoria Potsdam 1:1


    Spiele am Freitag sind eine feine Sache, um das Wochenende einzuläuten. Einziger Knackpunkt ist die Rückkehr, wenn diese im Umland stattfinden und der letzte RE oder RB nach Berlin schon zur Halbzeit fahren würden. Die Hannover-farbenen Bornimer liegen offiziell in Potsdam, aber am hintersten Rand. Die Anreise ist weniger ein Problem, von der Arbeit pünktlich Feierabend machen und mit der Bahn nach Potsdam und dort noch durch die Innenstadt tingeln. Holländerviertel, die 200-jährige russische Kolonie "Alexandrowka" mit schwarzen Hexenhäusern aus massiven Stämmen.


    Anfahrt & Platz

    Von da aus zur Wendeschleife, von wo die 698 nach Bornim fährt. Die Straße wird zum Pfad und hinter dem Platz liegt der Friedhof und eine Kapelle, was gerade im Dunkeln schon für eine besondere Atmosphäre sorgt, da Bela Lugosi oder Vampirella vermutlich schon bei dem Urnenfeld lauern, das direkt hinter der Anzeigentafel an der Eckfahne liegt.


    Aktuell gibt es nur Schals und Buttons sowie zwei Arten von Aufklebern. Die kleinen Souvenires kommen mit, danach gibts im Vereinsheim die Auswahl zwischen Bayreuther Hell oder Veltins. Kurios. Ansonsten alles ganz putzig.


    Ein paar Hopperkollegen sind vor Ort und schnell werden die Anekdoten erzählt. Ein Einheimischer neben mir findet's gut, muss aber den eigenen Nachwuchs zu Spielen kutschieren.


    Der Gegner

    Viktoria ist ein recht junger Verein, deren Macher finanziell gut beisammen sind und konnten die Hellblauen recht flink durch das Ligensystem nach oben hieven. Hinter Babelsberg ist in der Landeshauptstadt aber auch eine große Lücke, Bornim und Golm sind eher Dorfklubs, der Rest Stadtteilklubs. Böses Blut scheint es aber nicht zu geben. Und angeblich startet Viktoria nach einem Aufstieg in die Verbandsliga, der ihnen sportlich kaum zu nehmen ist, wohl im Luftschiffhafen Potsdam. Der fehlt mir noch!

    Mit Tom Nattermann hat man auch einen erfahrenen Torjäger auf dem Feld, der vorher 36 Tore erzielte, die Viktoria in 19 Spielen mit 17 Siegen auch insgesamt schon über 100. Beim Schlusslicht Bornim waren sie also erst recht in der Favoritenrolle, nachdem auch passabel mitspielende Mannschaften hochkant vom Platz gefegt wurden.


    Das Spiel

    Bornim zunächst mit gehörig Respekt, aber spielte zusehends mutiger. Viktoria noch zu arrogant, machte aber mit dem ersten wirklich guten Angriff auch gleich die Führung. Das Schlusslicht hielt aber weiterhin mutig dagegen und neckte den Favoriten zusehends erfolgreich.


    Der Wendepunkt in der Zweiten Hälfte: der einzige vorbelastete Spieler (wegen Meckerns ..) fällte seinen Gegenspieler am Mittelkreis. Gelb-Rot und nun schöpfte Bornim neuen Mut und es wurde zum munteren Schlagabtausch. Nach dem umjubelten Ausgleich marschierte der Gastgeber und war am Siegtreffer näher als der Gast, der zu spät aus seinem Phlegma erwachte.


    Spieltag


    Rückfahrt

    Einer der Groundhopper musste auch mit der Bahn zurück und wusste Bescheid. Statt zurück zur Potsdamer Innenstadt gings mit dem Bus zum südlichen Vorort Golm und dort mit dem RB über Ludwigsfelde zum Flughafen. :amkopfkratz: War aber bei allen genutzten Verbindungsapps die schnellste Verbindung. somit in der Bahn noch quatschen können, aber auf Görlitz am Samstag wollte ich mich doch noch nicht festlegen, da eine 80er Party anstand mit unklarem Ausgang. blieb zwar nur bis 3:00, aber machte morgens doch einen Ruhigen. Statt dessen gab's wieder einen Besuch bei einem großartigen Stadtnamen ..

  • Samstag: Brandenburg, deine Stadtnamen - Finsterwalde

    Finsterwalde ist ein großartiger Name, zudem immer gern mit beigefügtem "Sängerstadt" und das nehmen die Finsterwalder auch ernst. Es gibt im Stadtbild unzählige Verweise darauf, von Denkmälern bis zur stillgelegten Einkaufsmall. Und Schuld ist dieses Lied. Meine erste "Begegnung" mit der Sängerstadt Finsterwalde war eine Matscheibefolge von Kalkofe, als Achim Mentzel nachts am Marktplatz stand und die Einheimischen aufforderte, "mit ihm zu singen - Ihr Ruf als Sängerstadt steht auf dem Spiel!".


    Leider finde ich die Folge nicht bei yt, aber anscheinend haben selbst bewusstseinszerstörende Drogen wie der MDR es nicht geschafft, Finsterwalde zum Schweigen zu bringen. Wobei Finsterwalde ja eher nach Black Metal als nach Schlager klingt. TRVE KVLT!


    Anreise & Ort

    Es gibt leider keine direkte Anbindung von Berlin aus, eine Nebenstrecke verbindet Leipzig mit Cottbus und dort wird auch Finsterwalde angebunden. Für mich bedeutet das Umstieg im großartigen Calau.


    Finsterwalde ist überschaubar, an manchen Stellen etwas muchtig, aber zumindest entlang der Hauptstrasse nicht mit den Ruinen wie andernorts. Zwar steht vorne hinter der "Sängerstadt"-Verkehrsinsel ein leerstehendes Casino (+Shisha & Billard), aber ansonsten alles recht schnieke. Der Marktplatz ist schon mal ganz nett, dahinter eine putzige, kleine Kirche.

    Die Straße gen Süden schließt sich der Plattenbauvorort an, aber zumindest wurden die meisten getüncht und wirken weniger trostlos als andernorts. Kurioser ist, dass südlich der Innenstadt plötzlich eine größere Anlage mit Park erscheint. Finsterwalde beherbergt ein eigenes Schloss, in dem mittlerweile Bürokratie Einzug gehalten hat; am hintersten Teil kann im Standesamt sogar führnehm geheiratet werden.


    Der Platz

    Ziel ist das Hertha-Casino an der Bayernstraße. Der FC Sängerstadt ist ein Zusammenschluss des katholischen DJK und dem ehemaligen Arbeitersportvereins Hertha vor zehn Jahren, die zu Ostzeiten die BSG Motor Finsterwalde-Süd hieß. Das Casino behielt den alten Namen und im (älteren) Wappen findet sich noch das DJK und ein "H" in Fraktur.

    Der schöne Rasenplatz hat eine herrlich alte und zugewachsene kleine Tribüne, wo irgendwie immer ein Baum im Blickfeld steht. Das Vereinsheim hat noch die alten Fensterläden aus massivem Holz, zwei Ausgucke versorgen das Volk mit Getränken und Fressalien - und mich mit einem Wimpel.


    Am Einlass hieß es noch, es gäbe nix mehr, aber eine junge Frau weiß Bescheid und organisiert einen Stampel Wimpel. "Und der kommt über's Bett?" fragt die andere und ich korrigiere: in die Küche. Ist ja auch immer eine schöne Erinnerung an die Tour. Sie ergänzt den tollen Verein und ich füge noch die Schönheiten am Tresen hinzu, aber bevor ich auf meiner eigenen Schleimspur ausrutsche, bedanke ich mich artig und gehe. Kann ja doch keine mitnehmen und auf dem Land wird ohnehin früh geheiratet.


    Das Spiel: FC Sängerstadt vs Lokomotive Falkenberg 4:0

    Das Niveau zunächst eher mau, Kreisoberliga ist nicht Landesliga. Die Gäste zunächst emsiger, aber mit nahezu phänomenaler Abschlussschwäche. Den Gastgebern reichten ein paar gute Angriffe und bessere Abschlüsse, das Spiel leicht nach Hause zu schippern. Tabellenführer Lübbenau ist ohnehin weit enteilt, also geht es nur noch um die goldene Ananas, da auch für Kellerkind Lok wenig Gefahr besteht bei einer bereits als Absteiger feststehenden zurückgezogenen Truppe und weiteren Konkurrenten mit 4 und 7 Punkten Ende März ..


    Liga


    edit: Burg vergessen

  • Prag Stories - Bohemian Rhapsody


    Die Goldene Stadt rief, als meine Schwester ihren Geburtstag mit eine Reise verband und die ganze Horde machte sich letzte Woche Freitag auf den Weg. Mit dabei auch die zweite Schwester samt Fünfjährigem Wirbelwind und unsere Mutter, die zuletzt in Prag war, als ich noch allerhöchstens Grundschule war. Muss so 1990 gewesen sein. Die Unterkunft in der Dlouha liegt nordöstlich des legendären Hauptplatzes der Stadt und in unmittelbarer Nähe des alten Jüdischen Viertels. Die 'Spanische Synagoge' war auch diesmal das Ziel und ist auch für klassische Konzerte sehr zu empfehlen.


    Mein Geschenk waren Karten für die nahegelegene Smetana-Halle. Dafür war ich einen Abend der Babysitter. Gar nicht einfach, wenn der Zwerg überzeugt ist, dass wir dann auch noch raus gehen und eine Schatzkarte verstecken (nein) oder zumindest Paw Patrol geguckt werden darf (auch nein). Zumindest habe ich ihn in die Koje ohne Drama und vor allem Youtubevideos bekommen. Ansonsten konnte ich die Ortskenntnis und das Kartenstudium ausspielen und wichtige Dinge wie den Hradchin und die umliegenden Klöster mit schönnen Gässchen und den Lokalen für Speis & Trank anleiten.


    Ein Spiel war aber doch drin. Das großartige Dolicek Stadion der Bohemians Prag mit dem großartigen Känguruh im Wappen sollte endlich besucht werden. Einziger Haken: es lockte das Derby gegen Sparta und die Tribüne auf der südlichen Straßenseite ist bereits abgerissen. Sei es drum: das einzige Spiel in der Nähe war nebenan und sinnigerweise zeitgleich bei Slavia, zwei straßenbahnstationen östlich. Gibts keine Tickets, kann man es also beim amtierenden und wahrscheinlich auch kommenden Meister versuchen.


    Anfahrt & Ankunft

    Die Anreise gelang recht problemlos. Mit der U-Bahn bis Strasnicka und dort mit der Tram wieder etwas zurück. Dort lungern vor allem Slavia-Fans herum, doch auch ein Bohemian-Fan ist auszumachen. Anscheinend geht das recht problemlos, da alle zusammenrücken müssen - die Tram ist recht voll, bis der Slavia-Pulk an ihrem modernen Tempel aussteigt und kurz darauf auch das Dolicek erscheint. Ein herrlicher Gegenpol. Auf der westlichen Seite eine alte, steile Tribüne, gegenüber partiell der winzige Gästeblock und auf der Nordseite die Fantribüne hinter dem Tor.


    Sektor B

    Zu meiner Überraschung gibts tatsächlich Tickets - für den Sektor B. Der Ultra-Bereich. Vor allem aber habe ich ein nettes Papierticket und nix digitales. Erworben wurde noch im Shop ein kleiner Wimpel, Pin und Nadel (später noch einen kleinen Rucksackbeutel, die Tischmülltonne gabs leider nicht mehr und die Teppich mit Wappen passt nicht ins Gepäck ..). Känguruhs als Wappentier sind trotz der ehener unschönen Trikotfarbe großartig.


    Der besagte Ultra-Bereich lebt vom Pulk und den Bannern in der Mitte, wir standen am Rand, hinter der Kinder-Tribüne. Das ist eine Art Podest, auf dem auch der Kurvennachwuchs was sehen kann. Kluge Idee! Ein weniger kluge Idee war die Dauerpöbelei eines alten haudegens vom Rand in den Sektor, doch mal mehr Stimmung zu machen (ohne aber selbst allzu viel Support anzubieten ..). Ansonsten stört man sich nicht an den beiden Teutonen, die eine maue erste Halbzeit sehen.


    Zu Beginn der Zweiten dann Pyroshow und Feuerwerk; erst im besagten Sektor, dann auf dem Feld. Von drei kurz nacheinander erzielten Treffern zählen zumindest die ersten beiden. Sparta war erschreckend schwach und ohne Ideen. Dabei stehen die auf dem Zweiten Rang. Somit haben die Bohs einen Beitrag zur Meisterschaft der Nachbarschaft beigetragen.


    Für das Stadtduell warf man sich in Schale - viele Bohemian-Schals hatten einen Seitenhieb auf die großen Nachbarn Slavia und Sparta, bei Rückweg später zu Fuß stapften auch Spartaner mit ihrerseits Anti-Bohemian-Schals vorbei. Dabei blieb aber alles erstaunlich entspannt.


    Mein Dilemma war mal wieder die Unterteilung in Meister-, Abstiegs- und Europapokalrunde (?), erst nach den endgültigen Platzierungen der bisherigen Spielrunde war also klar, wer nun an diesem Wochenende wo spielt. Ein Heimspiel haben .. die Bohemians. Dukla gewann überraschend und spielt nun doch auswärts, Slavia ebenfalls. Einzig Sparta kickt Sonntag Abend ..

  • Pferdinand funkt: Hostoun, wir haben ein Problem!


    Heute verabschiedete sich nun der Rest und das kurzfristig gebuchte Hotel für das Wochenende ist zwar günstiger als alle anderen, aber immer noch teuer und zudem herrlich abgeranzt. Koffer verstaut und direkt wieder los: ganz im Norden konnte ich ein Spiel ausfindig machen:


    FK Admira Prag B vs SK Treboradice 1:0


    Mit der U-Bahn kommt man unmittelbar in die Nähe und läuft durch schmale Straßen mit kleinen Häusern, bis sich am Ende einer Straße das Portal Admiras auftut. Admira hat ein kurioses Wappen mit zwei Pferdeköpfen. Es bleibt also animalisch. Der Eintritt beträgt umgerechnet zwei Euro, dafür wird dem Besucher aber auch ein phänomenales, altes Stadion geboten.


    Immer diese Deutschen

    Gerade bin ich rein, da höre ich, wie hinten jemand meinen Namen ruft. Tatsächlich sind vier Unioner auch auf Tour - und sind erbost, weil sich wohl eine Gruppe RB-Fans schon auf der Tribüne breit macht und schon vor Anpfiff lautstark herumposiert. Das ganze im besten Walter-Ulbricht-Gedenk-Leipziger Zungenschlag. Alle Wetter. Mehrere Kleingruppen in irgendwelcher Dorfvereinskluft verdeutlichen, dass Einheimische hier die Ausnahme sind. Zumindest trennte sich schnell, wer sich zu dem Haufen gesellte und wer vor Fremdscham demonstrativ Abstand hielt.


    Versorgung

    Hinter dem Eingang eröffnete sich gleich das Paradies für Jäger & Sammler. Ein großer Tisch mit Fanuntensilien, der mir einen kleinen Wimpel und einen Pin beschert. An einer winzigen Luke lugt ein sehr aufgebretzeltes Frollein hervor, die für gute 39 Kronen das gute Radegast oder für 50 Kronen Limo herausrückt.


    Das Stadion

    Die Gegentribüne beginnt mit einem kleinen, umzäunten Spielplatz und einer sehr steilen, dafür krummen und schiefen Stehtribüne, deren Besteigung konstante Aufmerksamkeit erfordert. Hier kann man die uralte Haupttribüne bewundern und die Pferdezeichnungen auf der Betonwand hinter dem Tor. Laut Webseite ist das Stadion 1964 eröffnet worden und das Alter steckt der Anlage in den Knochen.


    Das Spiel

    Ächz. Admira gelang irgendwann und irgendwie die Führung, verpasste aber kläglich, noch weitere Tore nachzulegen. Es reichte trotzdem.


    Während des Spiels und durch die Unionen machte ich Bekanntschaft mit zwei HSV-Fans, die noch ein Bolt für ein Spiel danach ordern wollten und mir eine Beteiligung vorschlugen. Dies nahm ich gern an, weil der Platz noch hinter dem Flughafen liegt und nur erreichbar ist, wenn man die lokalen Öffis per App überblickt. Ich hingegen hänge noch am U-Bahn-Plan ..


    Sokol Hostoun - SK Kladno 0:0


    Hostoun liegt direkt hinter der schon ausladenden Stadtgrenze Prags und ist selbst nur per Bus zu erreichen. Das Dorf spielt immerhin Dritte Liga und empfing die Nachbarstadt und Tabellenführer Kladno - es gab also ein veritables Derby!

    edit: Raketen steigen hier nicht in den Himmel, dafür heben die Flugzeuge des benachbarten Flughafens ab. Scheint das aktuelle Tagesmotto zu werden. Der Morgen begann früh mit hektischen Taubenflügelschlägen - mein Fenster scheint die Einflugschneise für dieses garstige Federvieh zu sein ..


    Nach dem Eintritt auch den Fanartikelstand erspäht. Statt Pins gabs nur Wappen als Anhänger für Ketten, aber zumindest einen Minischal für umgerechnet einen Fünfer. Highlight ist zweifelsohne diese winzige, alte Tribüne: unten ist ein Bierausschank, der allerdings durch die Bande kaum Raum hat. Das Gros der Zuschauer wird in Pavillons dafür versorgt. Berhard Pils und eine Paprika-Klobasa sind die Anreise wert!


    Der Gast bringt nicht nur einen lautstarken Support mit, sondern auch eine stattliche Banneranzahl. Das Spielniveau war deutlich stärker und das Derby spürbar. Sokol kämpft gegen den Abstieg und das merkte man in den Druckphasen der Gäste, die aber kein Mittel fanden. Somit rettete Grün sich einen Punkt. Auch die Unioner tummeln sich am Rande.


    Ein großes Fragezeichen blieb bei der Rückfahrt. Wenn die beiden anderen stiften gegangen wären, hätte ich ein Problem. Der Bus fuhr nur nach Pavlov (!), wo es zwar keinen Hund, aber einen verfallenen Bahnhof gibt, der uns wieder in die Prager Altstadt bringt. Die anderen fuhren abends noch weiter zu ihren jeweiligen Bundesligisten, die morgen alle spielen, während ich mein nächstes Spiel fußläufig erreichen kann. Wenn ich denn mal rechtzeitig schlafen gehe ..

  • Kleiner Nachtrag: die gestrigen Teams mögen anscheinend nicht nur ihr Essen deftig. Bei Admira ertönte die tschechische Antwort auf Motörhead und der Sänger dürfte im Freundeskreis vermutlich Lenislav Knödelmister heißen. Das Programm wurde auch beinhart durchgezogen. Möglicherweise ist der Herr des Fanshops verantwortlich. Ein Altmetaller, der aber gar nicht versucht, Englisch zu sprechen und Preise mit Fingern zeigt.


    Bei Sokol ebenso, das klang eher wie die tschechischen Onkelz. 'Sokol' bedeutet wohl 'Falke' und geht auf die nationale Gymnastikbewegung des 19. Jahrhunderts zurück. Das Wappen entlehnte sich Hostoun aber nicht bei den Rockets, sondern eher bei Ferencvaros.


    Nachdem zuletzt mehrfach der Knöchel schmerzte, wollte ich heute einen entspannteren Tag einlegen, daher:


    10:15: Slavoj Visehrad vs Spartak Kberly 3:2


    Der Platz liegt fußläufig erreichbar im Bezirk meiner Residenz. Zum Glück vergaß ich, dass Anstoß um 10:15 und nicht 10:00 war, somit war ich sogar pünktlich - aber am falschen Stadion. Das Leichtathletikstadion von Spartak Prag kann was, nur leider ohne Ball. Also schnell weiter zum richtigen Platz und doch eine Viertelstunde verpasst. Der Platz liegt in einer hügeligen Gegend und auf der Nordseite ebenerdig und auf der Südseite eine Etage höher. Ein recht unspannender Kunstrasenplatz mit recht modernem Zweckgebäude samt Restaurant.


    Doch der unspektakulärste Platz bot am meisten Unterhaltung!

    1:0 - die Mutter aller Eigentore. Ein erstickter Angriff der Gastgeber, der Ball zum Verteidiger passt dieser butterweich zum Keeper zurück, der aber ganz woanders durch den Strafraum mäandert und den Ball ins verwaister Tor trudeln lassen muss.

    2:0 klarer Elfer, verwandelt

    2:1 erster guter Angriff der Gäste. Auf beiden Seiten der Geraden Jubel und Schalschwenker - der Gast hat anscheinend einen passablen Auswärtsmob

    3:1 der Spartak-Torwart sieht ein bißchen aus wie Schlotterbeck, nur mit schlimmer, blondierter 90er-Friese. Einen langen, hohen Ball auf dem linken Flügel will er ablaufen, köpft aber grandios vorbei. Der Stürmer gelangt in den Strafraum, hat zwei Verteidiger vor und den Torwart hinter sich und zögert mit dem Abschluss, bis er halt von hinten reichlich unnötig weggetreten wird. Der Tschechen-Schlotterbeck mosert mit tiefem Bass, doch das Schiedsrichtergespann zeigt vollkommen zurecht erneut auf den Punkt. Wieder Tor.


    Halbzeit! Es ist um elf und schon ziemlich heiß. Ich habe noch nix getrunken und suche Kaffee, doch in dem engen Vereinsheim gibt's nur gezapftes Pils. Was soll's .. Souvenirs gibts leider auch nicht. Das Wappen ist recht unspektakulär, der nahegelegene Namenspatron, die alte Festung Visehrad würde ja Motive anbieten.


    In der Zweiten Hälfte noch der Anschlusstreffer, doch trotz Kampf bleibt es dabei. Für mich gehts fix zur nächsten U-Bahnstation, da bereits um 14:00 Loko Prag B kickt.


    Spieltag und Tabelle - Admira B und deren Gegner sowie das letztes Jahr gesehene Spiel Stresovice gegen Aritma B tummeln sich ebenfalls hier.


    14:00 Loko Prag B vs Ambassadors FC Prague 5:2


    Mit der U-Bahn ging es direkt nach Norden in den Stadtteil Holesovice samt Mittagessen. Dort sind die Preise deutlich geringer als in der Altstadt, aber es handelte sich um ein Sparta-Lokal, auf dem Tresen standen zwei hölzerne Wappen Spartas und eines vom Millwall FC. Selbst der passable Kaffee wurde mit einem Sparta-Untersetzer serviert. Verrückt. Nach der Stärkung ging es direkt zum Stadion, ein putziges kleines Teil. Ursprünglich mal als Lokomotiva Praha gegründet und einer der ältesten Vereine Tschechiens, sind sie seit einigen Jahren nur noch 'Loko'.


    Souvenirs gibts nur Online, dafür muss man aber einen Account erstellen? Verfügbar sei nur der Schal und da der ziemlich gut aussieht, nehme ich den. Zunächst bleibe ich mit Kofola, einer Art tschechischer Cola, noch standhaft, aber dann muss es doch ein frisch gezapftes Radegast sein.


    In einem munteren Spiel geht Loko B zunächst mit zwei Toren in Führung und hätte das Ergebnis noch hochschrauben müssen, verzieht aber selbst aus kürzester Distanz. Augenscheinlich gewährten die Ambassadors der Zweiten Mannschaft der Lokomotove diplomatische Immunität auch im eigenen Strafrauf, bis eine gute Phase kurz vor der Halbzeit das Spiel egalisiert. Ein Traumtor unter die Latte im Winkel überrascht selbst den Schützen, der Ausgleich kurz darauf hart erkämpft.


    Nach der Halbzeit erstmal Platz schaffen und das Klo suchen. Hinter der Tribüne führt eine Treppe hoch, wo sich auch der ominöse e-Shop befindet. Die Klos sind aber unten und es finden sich diverse Aufkleber internationaler Gurkentruppen. Nun gibts noch einen weiteren hinzu. :D


    Währenddessen gelingt den Gastgebern die erneute Führung, doch auch diesmal der Chancenwucher phänomenal. Die spindeldürre, aber unglaublich einsatzstarke Gazelle im Sturm vernascht erst einem nach den anderen, lässt mit einem angedeuteten Schuss auch den Torwart aussteigen und säbelt den Ball dann am leeren Tor vorbei. Irre.


    Den Ambassadors ging in der Schlussphase spürbar die Luft aus. Den reichlichen Platz vergeigen die Lokos aber auch notfalls ohne Gegenspieler. Ein mitgelaufener Außenbahnspieler erobert den Ball zurück und drischt statt einer Flanke den Ball von außen mit Schmackes in den Winkel.


    Nach dem Spiel geht es ostwärts erstmal am phantastischen Messebau vorbei zum Stadion von Sparta. Südlich befindet sich der tolle Letna-Park, der westlich an den Schlosspark des Hradchin übergeht. Prag bietet neben der schönen Architektur auch viele grüne Oasen. Einmal in Gang gesetzt geht es nach Süden, wo am Fusse des nächsten Hügels der Aussichtsturm Petrin wartet. Schon fix und fertig vom Tag braucht es einen Augenblick Pause, um dann doch den Weg hoch zu wagen. Es geht steil hinauf und wenn man auf dem oberen Plateau mit diversen Buden und am Fusse dieses kleinen Eiffelturms steht, hat man die Auswahl, für 400 Kronen mit dem Lift hochzufahren oder für 250 die Treppe zu nutzen. Im Frühtau zu Berge .. man muss dazu sagen, dass man nach außen einen Handlauf mit Gitter hat. Von oben hat man wirklich eine gute Aussicht und kann auch das Riesenstadion sehen, aber abends leider gegen die Sonne. Man spürt aber auch die Vibrationen etwas und es war langsam Zeit für eine weitere Mahlzeit.


    Nach 12 Stunden gegen halb elf wieder in der Unterkunft angekommen. Laut Schrittzähler 24 Kilometer und die Füsse streiken. Aber morgen schone ich mich! Nach dem Meteor-Spiel, die morgen den 130. Geburtstag feiern ..

  • Hoppla, eine Korrektur ist als zweiter Beitrag erschienen. Dann also der Sonntag mit dem letzten Doppler hier hinein.


    10:15 Meteor Praha vs Tempo Praha 1:2


    Mit Meteor gab's noch einen Leckerbissen. Der Platz ist günstig in der Nähe einer U-Bahnstation gelegen und auf dem Weg fielen mir auch Sitzbänke auf, die großflächig auf dieses Spiel hinwiesen - und den zugleich gefeierten 130. Geburtstag des Vereins. Für knapp zwei Euro Eintritt und umgerechnet einen weiteren Euro gab's ein schönes Blatt mit dickem Papier, auf dem in Landessprache die Historie graphisch ansehnlich dargestellt wurde. Die Gegengerade ist ein steiler Hügel, aber die Haupttribüne hat es in sich. Eine uralte Holztribüne, die hierzualnde sehr wahrscheinlich längst gesperrt worden wäre. Uneten drei Reihen Sitzplätze, darüber ein ähnlich breiter Stehbereich auf knarzendem Holzboden. Auf der Webseite sieht man teilweise Bilder vom Spiel und der Tribüne.


    Am Getränkestand gab's nben Klobasa und Pivo auch Kappen und Schals. Pivo und Schal kamen mit. Ansonsten wurde auch eine hundertjährige Trophäe ausgestellt, die von Fans und Hoppern gleichermaßen bewundert und fotographiert wurden. Ansonsten alles recht marode, aber unglaublich charmant.


    Das Spiel war recht kampfbetont, Meteor war nur leider furchtbar abschlussschwach und Tempo in schnieken Zinnober/Gelb - Kombi deutlich torgefährlicher. Die 1:0-Halbzeitführung daher nicht unverdient. Meteor spielte in grün-weiß-gestreiften Retro-Trikots aus den Anfangstagen des Vereins, auffällig war aber nur das Torwartrikot: schwarz-weiß gestreift und langärmlig in der prallen Sonne. Aber an ihm lag's nicht. Zwischenzeitlich gelang dem Gastgeber mit einem feinen Freistoß der Anschluss, doch in der Schlussphase der Siegtreffer nach Powerplay der Gäste, die ihrem Namen tatsächlich alle Ehre machten. Und zu allem Unglück durch die Hosenträger des Keepers aus kurzer Distanz.


    Der Verein ist in der Anfangszeit häufiger umgezogen und fand erst neben dieser Kirche ein festen Ankerplatz. Leider konnte diese kuriose Holzkirche im Art Deco - Stil nicht besichtigt werden. Von dem Stadtteil wollte ich zum Wasser und an der Promenade führnehm Richtung Altstadt zurücklaufen. De facto führte der Weg am Wasser aber an platten Industriebrachen und einer DIY-Halfpipe aus Pressspan vorbei, die allerdings auch recht vermodert war. Erst hinter einem Betonwerk eröffnete sich ein neuer Stadtteil, der hier auf grüner Wiese an der Moldau entsteht. Der sah aber tatsächlich recht gut aus, nur getrübt durch die zahlreichen Jogger und anderen Hipsternasen.


    Doch bevor es dann abends zu Sparta gehen sollte erst einmal ausruhen und frisch machen, da vor der Reise Temperaturen zwischen 12 und 16 Grad prognostiziert wurden und es nun locker 25° war. Ungünstig, wenn man nur eine lange Hose dabei hat. Aber auch dafür Platz für den ganzen Schruz aus dem Fan-Shopu der Vereine (und dem Mucha-Museum). :D

  • Sparta Prag vs Jablonec 2:0


    Das letzte Spiel des Wochenendes stand am Sonntag Abend um 18:30 auf dem Programm. Am Vortag bei Loko Praha bin ich shcon mal in die Richtung gelaufen und auch schon mal vorgetastet, ob man im Fanshop Tickets bekommt - nein, nur online oder vor Spielbeginn am Schalter. Das Stadion liegt nördlich des Letna-Parks, der relativ hoch liegt und beim Marsch gen Süden bekommt man so eine schöne Aussicht auf die Altstadt. Westwärts schließt irgendwann der Schlosspark der legendären Prager Burg an, man stapft hier also Kilometer durch die Stadt am Wasser und befindet sich nahezu durchgängig im Grünen.


    Das Stadion ist eine Nummer größer als die bisherigen Kultstadien und für tschechische Verhältnisse gut besucht. Knapp 16.000 Nasen sind da, auch ich bekam an der Tageskasse noch mein Billet. Davor lauern aber mindestens zwei oder drei Nasen, die irgendwelche digitalen Tickets verkaufen und auch nicht gut genug Englisch verstehen, dass man einfach keine Lust hat, betrogen zu werden. Vorher musste ich die Kasse aber auch erst mal finden - bei der ersten Schlange gefragt und die schnippische Antwort war, dass dies eine Frauenschlange mit eigenen Kontrolleurinnen sei. Was ähnliches probiert Union derzeit ja auch.


    Mein Platz war irgendwo in der Ecke, blieb aber erstmal im Block vorne, bis die elenden Trödelliesen für diese Plätze verspätet eintrafen.Dullis! Die anderen, die genauso faul waren mussten dann auch notgedrungen weiter rücken, aber auch in der Ecke gab es einen guten Blick auf den Ultra-Bereich und am anderen Ende sah man auch den tapferen Auswärtsmob aus Jablonec. Alles in Grün, mit gekreuzten Hämmern. JablAuenec quasi.


    Sportlich war's recht mau für ein Spitzenteam. Die Gäste fabrizierten zwei passable Angriffsversuche, die feldüberlegenen Gastgeber benötigten eine halbe Stunde zum ersten Abschluss. Noch vor dem Pausentee aber doch die Führung nach einer Flanke und einem sehenswerten Kopfball.


    Sehenswert aber auch die Abstoßvarianten, die mich an Tasmanias Regionalligajahr erinnerten. Kurzpassspiel im eigenen Strafraum zwischen Torwart und Verteidiger, während die aufgerückten Gäste sichtlich überrascht einen Ball abfingen und den Ball am Tor vorbei lederten. Jablonec konterte dieses Konzept mit zwei am Fünfer abgestellten Verteidigern beim Abstoß, mit denen der Torwart gemeinsam den Ball hin und herspielte, bis der Sparta-Sturm zögerlich angriff und hektisches Gestocher begann.


    Nach dem zweiten Treffer musste Jablonec aufmachen und lud Sparta zum kontern ein, die den Platz aber schlechtestmöglich nutzten. Am Ende der Anschlusstreffer der Gäste, wurde aber leider vom VAR einkassiert. Nach langem, langem Ball an den langen Pfosten von ganz weit außerhalb kommt trotzdem der Gästespieler an den Ball und trifft aus kürzester Distanz, soll aber abseits gewesen sein.


    Somit war Schluss und die Spieler ließen sich vor dem Ultra-Block feiern. Ein Maskottchen im comichaften Spartaner-Kostüm hüpfte da noch umher. Das ganze untermalt mit einer Lichtshow, die in der Dämmerung passabel wirkte, aber schon zu viel Event ist. Genau wie diese Rauchfontänen zu Beginn und bei den Toren. Ist für die Bundesligazuschauer vermutlich schon Alltag.


    Nach Abpfiff gings südwärts durch den Park zur Brücke in die Altstadt. Hier noch ein wenig durch die Gassen geschlendert und Abschied von der Stadt genommen. Bei den "Tri Ruzi" noch das hauseigene Bier getestet und für gut befunden.


    Die Meisterschaft vergeigte Sparta schon im Vorfeld, unter anderem bei der Niederlage gegen die Bohemians das Wochenende vorher. Beim heutigen Spiel bei Slavia wäre die Demütigung perfekt gewesen, dem Erzrivalen gratulieren zu müssen, doch der "Nager des Jahres" geht diesmal an die Fans des alten und neuen Meisters, die einen Pfiff wohl als Schlusspfiff interpretierten und das Feld stürmten. :D



    Mitbringsel: einen Pin. Schlicht mit dem Sparta - "S" und den Rumänienfarben. Günstig, wenn der eigene Familienname ebenfalls mit "S" beginnt. Nur in Rumänien war ich noch nie. Vielleicht der entscheidende Fingerzeig.

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