The Captain's Place

  • Berlin ist fast abgegrast und auch im Umland werden die Plätze langsam rar. Schon länger ist es also unabdingbar, auch weiter entfernte Plätze heimzusuchen.


    Dresdner SC


    Das schöne Dresden ist immer eine Reise wert und die Residenzstadt an der Elbe überraschend gut von Berlin aus zu erreichen. Nur ein Umstieg in Cottbus, wo der Anschluss bereits geduldig wartet. Dafür stehe ich auch bereitwillig früh auf, um die S-Bahn um 6:15 zu bekommen. Kurz vor zehn rollt der Zug in Dresden-Neustadt am nördlichen Elbufer ein. Bevor es auf die Südseite mitsamt Stadion und Altstadt geht wird das Regierungsviertel der Stadt inspiziert. Östlich des Bahnhofs der gar nicht so neuen Neustadt liegt die Innere Neustadt und der Kirchturm der Dreikönigskirche zog mich magisch an, dahinter offenbart die "Hauptstrasse" eine schöne Fußgängerzone Richtung Elbe und dem "Goldenen Reiter". Berlin aht auf der Siegessäule die Gold-Else, Dresden den Gold-August. Kurfürst August der Starke erlangte seine titularische Beförderung durch die Annahme der Königskrone Polens, blieb aber als Feldherr eher erfolglos. Dafür gelangte er als Bauherr zu Ruhm und am Nordufer der Elbe kann man die architektonischen Schönheiten auf beiden Seiten des Flusses bewundern. Ostwärts steht nur die absperrung der eingestürzten Brücke im Wege.


    Die frühe Anreise wurde auch durch ein Vormittagsspiel um 11:00 stromab gen Westen bedingt. Das Stadion von Rotation Dresden sah auf Bildern und auch in natura schon ganz gut aus. Nur die verdächtige Stille beim Fußmarsch ließ nichts Gutes erahnen und fussball.de bestätigte mir dann die Spielabsage. Bei bestem Wetter. Dann also doch zur nächsten Brücke zurück, die direkt zum Yenidze führt. Die ehemailige Zigarettenfabrik ist schon ein Highlight und direkt daneben liegt das Heinz-Steyer-Stadion. Von außen schonmal kurios und viel zu neu, aber durch die Spielabsage war noch genügend Zeit für die Altstadt. Der Zwinger ist innen noch im Umbau bzw noch nicht gepflanzt und irgendwo verhindert immer ein Bauzaun ein perfektes Foto, aber sei's drum: das frühe Aufstehen war schon vergessen. Nur die Fressaliensuche gestalte sich schwer: teuer und/oder überfüllt. Ein Lokal namens Gänsedieb sah zumindest einladend aus und vor der Tür stand auch der passende Gänsediebbrunnen. Am Tisch nebenan ein Oma-Quintett bei Mittag und Bier, die über tagespolitisches debattierten.


    Dann abschließend noch einmal durch die Innenstadt zum Stadion.


    Das Heinz-Steyer-Stadion

    Über dem Eingang informiert eine digitale Anzeige über das heutige Spiel. Ansonsten ist die Schüssel deutlich überdimensioniert, die Dachkante entlang ziert ein merkwürdiger Ring das Oval, der Großteil ist abgesperrt und das Olympiator ostwärts Richtung Altstadt offen. Das Highlight ist zweifelsohne die vergessene Anzeigetafel, die auch bei Leichtathletikveranstaltungen vonnöten wäre. Es ist also stets dem Sprecher das Informationsmonopol überlassen, wer gerade ein Tor erzielt, irgendeine Kugel irgendwie weit oder irgendeinen Sandkasten erfolgreich besprungen hat. Der DSC hat eine eigene Tafel gebastelt, leider war ich bei den Toren zu weit weg, um das manuelle umhängen im Bild festzuhalten.


    Hopperelevantes

    Für einen Sechser gibt es eine richtige Karte mit Wappen beider Vereine und innen liegt ein Stapel Stadionhefte. Beides fotographiert und gleich ein "Na, auch ein Groundhopper?" zu hören bekommen. Vadder und Sohn kamen sogar aus Hamburg. Die Verpflegung ist ganz gut, es gibt Feldschlösschenbecher in Vereinsfarben und -wappen. Daneben ein Fenster mit Fanartikeln, leider sind Nadeln und Pins aus.


    Fanszene

    Die kleine Fanszene ist überschaubar, dafür sehr angenehm und nahbar. Support kommt von zunächst zehn Nasen, während des Spiels wächst der Trupp zentral am unteren Geländer etwas an. Eine Flagge zeigt das "Vita Cola" - Emblem mit Viva La DSC. :D Ansonsten relativ sympathischer Haufen. Das dritte Tor erwartend postierte ich mich vor der besagten provisorischen Anzeigentafel, als ein Kind viel Spaß auf meine Kosten hatte. Der halbwüchsige Wirbelwind fand den kurzbeinigen Captain mit Hemd und Weste kurios genug, um ihn zu belagern. Genug, um mich zu überfordern, zumal Papa auch schon skeptisch guckte, was das wird.

    Die Gästefans haben ein langes Banner und eine große Schwenkfahne mitgebracht, sind aber eher ruhig. Könnte daran liegen, dass Reichenbach aus dem Vogtland dialektös stark beeinträchtigt ist und gegenüber dem schnuckligen Sächsisch der Hauptstadt für auswärtige Ohren stark gewöhnungsbedürftig klingt.


    Das Spiel

    Echowitz: das Spiel hatte Verbandsliga-Niveau-Wo-wo-wo ... die Gastgeber zumindest bemüht, die Gäste vielleicht auch, konnten das aber gut verbergen. Der DSC in schwarz-rot trat in spät-90er-Eintracht Frankfurt Trikots an, die Gäste mit Vereinsfarben Blau-Gelb in .. grau. Mit weißen Ärmeln. Den Titel "hässlichstes Trikot der Saison" haben die Reichenbacher schon mal sicher. Sportlich sind beide punktgleich im Keller. Drei Absteiger gibt es durch die Rückkehr von Dünamo Dresden II diese Saison (Herzblut schrieb darüber); eine Truppe hat schon zurückgezogen, mit Lok Zwickau steht derzeit eine etwas abgeschlage Truppe auf dem vorletzten Platz.

    Der DSC traf noch vor dem Pausenpfiff zweimal, nachdem der offensivschwache Altmeister den Ball zunächst hineintragen wollte, aber dann doch viel Platz im Fünfmeterraum erhielt und der Ball nicht mehr ausbüchsen konnte. Als guter Gastgeber legte man den Gästen durch zahlreiche Luftlöcher, Kerzen und halbherzige Rettungsschläge mit < 5 Meter Reichweite genug Chancen auf, die aber kläglichst (ja, da muss eine Steigerungsform 'rein!) verschnracht wurden. Somit schwante mir nach einer halben Stunde, dass von den Gästen keine Gefahr ausgehen wird.


    Gegen Ende drückte Reichenbach, doch deren Sturm verhindert erfolgreicher Tore als ihre Abwehr. Vielleicht sollten die mal die Positionen tauschen.


    Summa summarum: es war der erste Liga-Sieg des DSC im neuen Stadion!


    Rückfahrt

    Zeit war genug, wieder zurück über die Brücke zum Bahnhof Neustadt. Rückfahrten aus Sachsen verlaufen immer nach dem gleichen Schema: Umstieg irgendwo in der Pampa mit 5 Minuten Puffer. Der Zug muss aber irgendwo warten/einen anderen Zug vorlassen/dödelt irgendwo zu lange herum und dann geht die hektische Suche nach einer alternativen Route los. Bis Cottbus durchfahren und von da weiter? Die Schaffnerin läuft mit einem Zettel durch den Zug und notiert sich die Wunschziele der Fahrgäste. Anscheinend muss erst eine Mindestmenge erreicht werden, um den Anschlusszug zum verweilen zu überzeugen. Glück gehabt: Berlin hat genug zusammenbekommen und etwas drei Minuten vor Ankunft an einem ganz anderen Umsteigebahnhof klingt die Durchsage durch den Zug, dass der Anschluss wartet ..


    edit:

    Musik

    Ein ganz großer Pluspunkt ist die großartige Stadionbeschallung. Mal nicht zu spät kommen lohnt sich, zur Begrüßung läuft Ska, anschließend als Einlaufhymne das phänomenale Intro aus Strauss' "Also sprach Zarathustra" und als Einpeitscher "Children of the Grave" von Black Sabbath.
    Dem wohl bekanntesten Sohn des Verein schrieb Udo Jürgens eine Abschiedshymne, die natürlich auch gespielt wurde.

  • Im Land der Blumenzüchter - Erfurt


    Versprechen werden gefährlich, wenn sie auch eingefordert werden. Muddern wurde von einer Freundin abgeholt zwecks Trip in den tiefen Westen (Aachen und Kerkrade), nur die Rückkehr blieb eine offene Frage, da besagte Freundin in Thüringen beheimatet ist und ihr eine weitere Fahrt nach Berlin erspart werden sollte. Ich warf eine Tour nach Erfurt in den virtuellen Raum und letzten Freitag tauchte diese Idee wieder auf.


    Samstag kurz nach halb fünf. Der Wecker klingelt, denn 5:29 fährt die erste Bahn Richtung Süden, ab Wannsee dann im RE über Magdeburg. Immer wieder irritieren mich putzmuntere Leute im sportiven Wanderoutfit, die um diese Zeit schon Schlachtenpläne schmieden. Krank. Ebenso krank wie die ersten Hooliganhorden, die während der Reise zu bestaunen sind. Erst ein Beffie mit weinrotem Fischerhut, Magdeburger, Erfurter und der Griefstedter Carnevalsclub. Letzteres ein ganz gefährlicher Haufen. Zwischen zwanzig und dreißig (!) Heikos und Doreens stapfen mit Vereinsshirt und Boombox vorbei. Motto laut Thüringer Allgemeine: 'Ballermann im Märchenwald'. Warum denn nicht Schneewitchen-Ska, Rock'n'Rapunzel oder Riffkäppchen & der böse Warhammer? :galmi:


    Erfurts Innenstadt

    Kurz vor elf kam der Zug pünktlich in Erfurt am zentral gelegenen Hauptbahnhof an. Nördlich geht's schnell Richtung Innenstadt und zur Krämerbrücke, die man als solche nur als gebogene, enge Gase wahrnimmt, aber rechts und links daneben stehend erst seinen Zauber entfaltet. Das Bächlein ist von Enten bevölkert und kleine Brücken und schöne alte Gebäude sorgen selbst vor der Blütezeit für ein schönes Flair. er Kinderkanal ist sicher nicht das Highlight der Deutschen Senderriege, aber dafür gibt's mehrere Plastiken zu bestaunen. Unter anderem die Maus, Käptn Blaubär und das Sandmännchen. Auf jeden Fall eine Reise wert! Für den Dom reicht die Zeit leider nicht. Schnell noch beim Kurden einkehren und mit vollem Bauch südlich des Bahnhofs Richtung Steigerwaldstadion stiefeln.


    Das Steigerwaldstadion

    Laut Google Maps ist der Eingang auf der Westseite, was architektonisch zwar so vorgesehen ist, aber da ist alles abgesperrt und der Publikumsverkehr wird über die Südseite (Stehbereich) und die Osttribüne abgewickelt. Also einmal komplett außen herum, noch einen Pin abstauben und Richtung Kasse laufen. Der Umweg stieß die ohnehin mal wieder engmaschige Zeitplanung an ihre Grenzen, zumal die Kassendame sehr gemächlich ist. Für 22 Euronen gibts endlich das zumindest optisch gelungene Ticket.

    Mein Rucksack ist dem Empfangsteam aber zu groß, den müsse ich abstellen. Bitte was? Da ist Wechselkleidung drin, am Ende klaut irgendeine Trine meine Sachen und hängt sich meinen Schlübbi als Trophäe über's Bett (den muss man sich erst verdienen! :kuzze: ). Es gäbe einen Van, da kann man Rucksäcke abstellen. Zum Glück ist der aber abgeschlossen und der Schlüsselinhaber spurlos verschwunden. Die perplexe Security winkt mich entnervt durch und der besagte Rucksacktransporterschlüsselinhaber kann sich meinem ewigen Dank sicher sein!


    Ich hatte das Ding aus den früher 90ern unüberdacht in Erinnerung. Vaddern fuhr uns damals mal zu einem Benefizspiel dorthin, leider waren Stadionbesuche nur Geschichten aus seiner Kindheit in Greifswald präsent, aber nichts aktuelles, so dass ich im Gegensatz zu anderen Fans nur mit der Sportschau sozialisiert wurde. Eine Bindung zur alten Bezirksstadt entstand nicht, aber das Stadion hat in meiner persönlichen Historie doch einen Platz.

    Der Fanblock befindet sich auf der Südseite, der restliche Heimanhang wie gessagt in der Kurve und der OSttribüne, die Gäste schräg gegenüber in der Nordwestkurve. Dort wurde anscheinend viel geklatscht und Fahen geschwenkt, aber man konnte nichts hören.



      :deuerf: RW Erfurt 4:1 BFC Dynamo :deudyber:


    Das Spiel ist sicherlich eins der kurioseren Spiele, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Ich stapfte gerade erst die Treppen zur Tribüne hoch und suche nach einem Plätzchen, als das 0:1 fällt. Wie ich in der Zusammenfassung bei Ostsport eben sah hat sich der Erfurter Keeper das Ding fast selbst ins Nest gelegt. Die Beffis standen hinten recht gut und konterten gefährlich. Ein mustergültiger Konter, der Schütze des 0:1 legt vor dem Keeper zum Mitspieler und der semmelt das Leder neben das Tor. Ich behaupte mal kühn, dass das wohl die Vorentscheidung gewesen wäre.

    RWE vorne viel zu zaghaft und die Gäste deutlich gefährlicher und zielorientierter. Kutrieb ist als Trainer durchaus fähig. Auch danach noch einige dicke Chancen und ich fand mich schon damit ab, dass ich als Groundhopper einmal mehr der Pechkeks unter den Krümelmonstern für Gastgeber bin, zumal Erfurt in Unterzahl spielen musste. Von meiner Warte aus konnte ich nicht erkennen, ob die Ampelkarte gerechtfertigt war, aber ds Schiedsrichtergespann hatte schon im Vorfeld merhfach kräftig danebengelegen, aber das zumindest auch in beide Richtungen.


    Hätte ich mich festlegen müssen, wäre ich niemals auf das spätere Endergebnis gekommen und es war mir ein Rätsel, wie die mit der harmosen Offensive so weit vom Abstiegskampf entfernt sein können. Nach fast einer Stunde dann zumindest mal eine Ecke, die das Spiel auf dem Kopf stellte. Der Ball segelt weit in den Strafraum, der Adressat köpft Richtung langen Pfosten und die Beffie-Abwehr sieht da gar nicht gut aus. Aus dem Nichts der Ausgleich. Und direkt danach spielt Erfurt mal schnell und die beiden Süsswasseratrosen in der Verteidigung fällt nichts besseres ein, als den einen wieselflinken Angreifer plump zu Boden zu stoßen. Elfer unter dem Torwart hindurch zur überraschenden Führung in Unterzahl.


    Danach brachen die Gäste komplett zusammen. Ein Fehlpass des Keepers erbeutet ein Erfurter, der dann die komplette Hintermannschaft vorführt und das 3:1 macht. Dem 4:1 hätten noch weitere Tore folgen können, wenn Erfurter den Ball nicht immer wieder quer spielen würden.


    Nach dem Spiel ging es zum Bahnhof mitsamt komplett geflashter Erfurter. Dabei auch gleich noch die beiden Parks mitgenommen, die auf dem Weg liegen. Schöne Gegend, in der Tat; einzig die Sprachbarriere ist problematisch, da ich ständig nachfragen musste, was mein Nebenmann gesagt hatte .. für mich ging's erstmal westwärts nach Mühlhausen in das Dorf, in dem ich aufwuchs.
    Sonntag ging es zurück nach Berlin und wieder hockten dubiose Fans mit im Zug. Diesmal Hannoveraner Eishockeyfans auf dem Weg nach Heilbronn. Die beiden Wortführer lebten die perfekte Bromance - zwei Dickerchen, gestört nur von der Freundin des einen, die allerdings keinen Ton sprach und als einziges Mädel der Gruppe die Henne im Korb inmitten der juvenilen und sturzbetrunkenen Burschen war. Kurz vor Erfurt dann die Frage, ob sie schon im Osten sind .. ;D


    Video

  • Ich hoffe, Kommentare sind hier erwünscht. Wenn nicht, darfst du gern sinnlos protestieren. :D



    Diesmal Hannoveraner Eishockeyfans auf dem Weg nach Heilbronn.


    Erstmal gibt's Minuspunkte für das gewählte Adjektiv. :D Aber warum zum Geier fährt man nach/Richtung Osten, wenn man nach Heilbronn will? Das ergibt aus Hannover doch überhaupt keinen Sinn. :O


    Aber ich hab das richtig verstanden, dass du von Berlin nach Erfurt über 5 Stunden mit der verdammten Bahn brauchst? ;D

    Nanakorobiyaoki


  • a) Kommentare sind immer gern gesehen (und Sinn eines Forums) ;)

    b) Welche Adjektiv wäre denn besser? Hannoversch? Hannoverisch? Je länger man darüber nachdenkt, umso schlimmer wird es. Im zweifel Hangover-Eishockeyfans. Traf zumindest auf einen Fan zu, der nur mal kurz munter wurde, als er einen Mitfahrer mit der leeren Plastikflasche schlug und danach wieder in gewohnte Apathie verfiel :D

    c) Man muss sich fragen, warum man generell nach Heilbronn fährt, falls man keinen Sturzkampfbomber zur Hand hat. Die Bahn fuhr über Göttingen südöstlich nach Erfurt und die Horde stürmte kurz vorher in Neudietendorf aus dem Zug, weil der Anschluss wohl von da nach Süden fuhr .. hatte mich auch gewundert und eher Hangover > Kassel > Frankfurt > Heilbronx erwartet, aber wahrscheinlich ist da wieder irgendwas gesperrt.

    d) Mühlhausen > Erfurt dauert schon eine knapp Stunde. Dafür kannste auch zwischendurch aussteigen und den Hund / die Katz' Gassi führen und wieder aufspringen. Erfurt > Leipzig sind fast zwei Stunden. Dafür kann man Weinberge entlang der Unstrut und der Saale bewundern. Sollte man auch, da Internet nur gelegentlich verfügbar ist und die Zeit kaum verstreicht. In Leipzig und Dessau war auch der Zirkus in der Stadt: Halle- und Lokfans wurden von Reisenden bestaunt, aber wenigstens nicht wie früher beim Jahrmarkt mit Gegenständen beworfen. Fortschritt ist unbestreitbar!

  • Prag


    Wer kennt es nicht, das Ausflugziel aller Zehntklässler? Wir schreiben das Jahr 1998, ich bin in der zehnten Klasse und als Klassenfahrt wird Prag auserkoren. Die Unterkunft sollte natürlich möglichst günstig sein und so landen zwei Zoni-Klassen aus der Provinz im Süd-Prager Neubaugebiet Chodov. Bis auf den Pflichtbesuch der Karlsbrücke blieben die meisten auch im Hotel. Die zerstrittenen Klassenlehrerinnen wollten sowieso nicht mehr als nötig miteinander und den Bälgern gefunden und die Klasse fiel in einem nahegelegenen Supermarkt ein, die während unserer Anwesenheitszeit die Preise erhob. Eingeborene werden noch lange die versoffenen Halbstarken verflucht haben ..

    Meinereiner pfiff auf den drögen Haufen und latschte orientierungslos durch Prag, verlief sich regelmässig und kam blöderweise auch nicht auf die Idee, nach Spielansetzungen zu schauen.


    27 Jahre fiel die Entscheidung auf einen einwöchtigen Urlaub auf eben jenes Prag. Von Berlin fährt ein Bus gen Budapest unter anderem über die tschechische Moldaumetropole und nach all den Jahren ist es an der Zeit, der Stadt mehr als nur eine Sufftouristendestination zuzubilligen. 9:16 geht's vom Haupfbahnhof los, hält in der Dresdner Neustadt und am dortigen Hauptbahnhof und landet kurz vor zwei am Prager Hauptbahnhof. Die verlinkte Karte ist übrigens irreführend: es ist mitnichten ein Sackbahnhof; südlich führen die Schienen zunächst unterirrdisch weiter. Das sollten wir bei unserer Unterkunft bemerken, dabei lag das Zimmer nicht mal im Erdgeschoss ..

    Die Stadt ist phantastisch: das Essen, wenn man es deftig machen, das Bier, wenn man Bier mag und die Architektur, wenn man Fassaden der Gründerzeit und Jugendstil mag. Das jüdische Viertel war mehrfach Anlaufpunkt; die absolut großartige Spanische Synagoge ist ein Kleinod sephardischer Architektur, dazu gab's koscheren Palacinka und einen Golem mit Teelichthalten innen.


    Samstag dann bei bestem Kaiserwetter Burgtag. Die Burg bzw das Burgviertel Hradschin sind natürlich ein Pflichtbesuch. Mit der U-Bahn gings nah heran, durch einen schönen Park näherten wir uns vom Norden der Anlage. Innenhof und Veitsdom bilden einen schönen Auftakt, zumal Letzterer nicht nur für Freunde von imposanten Sakralbauten interessant ist. Kein Geringerer als Jugendstil-Michelangelo Alfons Mucha entwarf zwei Kirchenfenster und sein Stil ist deutlich erkennbar. Das Goldene Gässchen ist ohne Frage ein kurioses Handwerkssträsschen, aber vollkommen überlaufen.


    Dreiviertel vier. Sparta spielt in der Nähe, aber alles viel zu knapp. Müder Blick auf die futbology-App: ein Spiel in unmittelbarer Nähe und Anstoss erst um 17:00? Perfekt! Schwester überzeugen können und dann gings los. Nordwestlich der Burg durch einen Schlucht, vorbei an Horden von Pfadfinderveranstaltungen - die Tschechen sind recht kinderfreundlich und alle sist unfassbar harmonisch - und durch eine kultig-kuschlige Gasse namens "Neue Welt", wo die Zeit stehengeblieben scheint. Danach die Strasse westwärts in den Prager Bezirk 6, schon alles unspektakulärer, aber putzig. Und bergig. Als Wahlberliner Flachlandtiroler wird man von google maps nicht gewarnt, dass die Strecken eben nicht kerzengerade sind. Doch bald sind wir hier:


    SK Stresovice 1911


    Der Gastgeber spielt fünftklassig gegen die Zweite Mannschaft von Aritma Prag für unschlagbare 60 Kronen für zwei Personen (Umrechnungskurs 24:1) und es gibt ein simples, aber informatives Programm. Oben ist ein Kunstrasenplatz mit Vereinsheim, den Hang herunter bei den Umkleiden der Rasenplatz. Fanshopu? Er zeigt auf die Umkleiden. Pivo? Am hinteren Ende! In einer kleinen Hütte gibts günstig Pivo und Klobasa, normal und "scharf", was aber nur unwesentlich pikant bedeutet, aber sehr lecker ist. Mit Getränk und Wurst zieht es uns in die Mitte zur improvisierten Tribüne im Hang und kaum platzieren wir uns passend, leiten die Gastgeber auch das 1:0 ein. Danke für's warten!


    Das Spielniveau ist mässig, wird durch Engagement allerdings wettgemacht. Mit etwas mehr Engagement durch Rückstand spielt nun Aritma etwas mehr mit und macht direkt den Ausgleich. Die Uhr zeigt eine halbe Stunde Spielzeit an und ich sehe, wie jemand Richtung Umkleiden stapft. 'Bestens', denke ich mir und nehme die Verfolgung auf. Tatsächlich findet sich in dem Trakt eine Vitrine mit Fanartikeln. Von dem Burschen aber keine Spur - ich frage dezent und die Antwort kommt natürlich aus dem Klo. Als er dann mal fertig ist, versuche ich mein Anliegen zu erklären. Verzweifelt geht er raus und holt zwei kumpane hinzu, die allerdings auch kein Englisch können und deren Improvisation aus allen nicht-tschechischen Wörten, die sie kennen zwar durchaus zu unterhalten verstehen, aber keinen informativen Mehrwert bringen. Der nächste Einheimische kann dann Fremdsprachen und erklärt, dass im Vereinsheim oben nach Spielende jemand kommen wird. Na dann!


    In dem besagten Trakt bei der Fanshopu-Vitrine kommt mir plötzlich der Keeper entgegen. Nanu? Ist schon Halbzeit? Es folgt ihm aber kein anderer Spieler und seinem Gesichtsausdruck zufolge ist er auch nicht gern der Vorreiter. Draußen klärt sich auf, dass er einen Gegenspieler aus Versehen umgenietet hat und daher vom Platz flog.
    Mit einem Mann weniger fing sich Stresovice dann noch drei Dinger und verlor das Heimspiel gegen einen Gegner aus dem unteren Mittelfeld sang- und klanglos mit 1:4.


    Erfolgreicher war daher meine Souvenierjagd. Oben wartete ich artig auf den besagten Schlüsselinhaber des Vereinsheims, den begehrten Anstecker beschafften. Pin oder Nadel? Beides!



    Mit Beutegut ausgestattet ging es bergab zurück zum Schlosspark. Frau Schwester warf ein, dass sie irgendwie den Teil des Schlosses vermisst, wo die Wachen die Ablösung vorführen. Dunkel erinnerte ich mich an meine erste Auslandsreise 1990 (?) eben nach Prag. Ja, da war was. Im Gegensatz zu den 90ern guckt man kurz online die Karten nach und findet den besagten Teil des Schlosses, der schlichtweg die Rückseite des eingangs erwähnten Innenhofs ist. Also nochmal dorthin. Wir kamen zur schönen Gasse und entdeckten so das alte Kloster mit der eigenen Brauerei St. Norbert (!), auf dem Rückweg fanden wir den letzten Teils der Burg und über die Karlsbrücke ging`s zurück zur Unterkunft.

  • Viktoria Zizkov


    Hin und wieder ist es richtig, auf andere Leute zu hören. Der ursprüngliche Plan war, den Burgtag mit Dukla Prag zu kombinieren und da die Sonntags spielten, wäre der Hradschin nicht am sonnigen Samstag, sondern am verregnten Sonntag dran gewesen. Für den Burgberg braucht es Sonne, bei Regen ist praktischer, in der Stadt zu bleiben und notfalls irgendwo einzukehren, wenn es gießt.


    Der Tag wurde daher mit der neuen Synagoge, dem Jüdischen Friedhof und Jugendstilfassadenvoyeurismus genutzt. Im Judaica-Shop gibt's neben Kafka-Fanartikeln natürlich auch viel über den Golem. Die etwas größeren Stehrumchen haben als Clou hinten einen Teelichthalter und nun habe ich und meine andere Schwester, die bald Geburtstag hat, einen solchen Leuchtgolem daheim. Auf Umfragen, wem ich sowas mitbringen kann sollte man nicht viel geben, wie haben ja keinen Demokraten gefrühstückt. In dem Viertel gabs auch den ersten Palacinka hier. Suchtstoff.


    Stadtteil

    Nach einer Stärkung stiefelten wir nach vier langsam Richtung Zizkov. Dieses Viertel liegt genau östlich des Hauptbahnhofs und wurde wie das südlich angrenzende Vinohrady erst 1925 eingemeindet. An der Straße Seifertova gelegen liegt das kleine, herrlich heruntergekommene Stadion mitten im Wohngebiet. Die beiden alten Herren im hölzernen Ticketschalter hörten schnell, dass wir Deutsche sind und konnten den Preis sogar auf Deutsch sagen. Schwester bezahlte und der schelmische Oldie gab das Rückgeld schnell mir. Spaß haben die Leute hier.


    Das Stadion

    Hinter dem Einlass eröffnet sich das Kleinod. Zunächst den Fanshop heimgesucht; eng und vollgestellt und Pins oder Nadeln gab's auch kein. Dafür einen chicen Schal eingesackt. Die Haupttribüne ist überdacht und mit Sitzschalen, es empfiehlt sich aber die hinteren Blöcke zu nehmen, da zentral die Sprecherkabine und die Kamerateams aufgebaut sind. Die westliche Hintertortribüne ist Gästebereich, allerdings ist alles offen; man stiefelt da einfach ohne jegliche Barriere 'rüber. Das Bild auf Wikipedia ist übrigens nicht mehr aktuell: die östliche Hintertortribüne mit Sitzschalen ist weg, anstelle der Baugrube entstanden da Wohngebäude, die in das Stadion hineinragen. Statt dessen ist dort ein schlanker Bierstand und Toiletten installiert. Immerhin schauen einige auf den Balkonen zu und eine Mietpartei flaggte Viktoria während des Spiels.

    Der Ultra-Block sammelt sich auf der Gegengerade auf Höhe des "V", darüber hat einer der Anwohner sein Gartenhäuschen Rot und Weiß gestrichen. Es gab Wechselgesänge mit der Haupttribüne, wodurch die korrekte Aussprache ermittelt werden konnte. Viktor-Ja Schiesch-Ko. Ich finde 'Zitzkopf' trotzdem leichter auszusprechen.


    Gegner

    Es ist der letzte Spieltag der Zweithöchsten Liga und Zizkov ist im sicheren Mittelfeld, kann daher befreit aufspielen. Für den Gegner Varnsdorf hingegen geht es um den Klassenerhalt, da nur ein Punkt Vorsprung auf Banik Ostrava B bestand, die bei Punktgleichheit aber im Vorteil waren. Die spielten zudem daheim gegen eine andere Zweitvertretung, für die es um nichts mehr ging. Varnsdorf liegt im tschechischen 'hohen Norden' an der sächsischen Grenze unmittelbar neben Neugersdorf, die auch eine zeitlang höher spielten.


    Spiel

    Die befreit aufspielenden Gastgeber waren spielerisch schon besser und gingen flink mit 2:0 in Führung. Die Gäste hatten da schon die Flatter und brachten vorne wenig zustande, da hätte ein Forrest Gump - Moment fast die Vorentscheidung gebracht: konter der Prager vor dem Mittelkreis, ein einzelner Zizkover stürmt mit dem Ball am Fuss nach vorne, hinter ihm gefühlt die gesamte Varnsdorfer Mannschaft hinter ihm her. Sah aus wie ein Dreieck. Der Stürmer verstolpert noch fast den Ball, bugsierte aber mit Glück den Ball in den Strafraum, wo der Keeper abtaucht und ihm das Leder vom Fuß nimmt.

    Im direkten Gegenzug dann aber der Anschlusstreffer mit einer sehenswerten Volleyabnahme nach einer Ecke. Doch noch vor der Halbzeit die erneute Zwei-Tore-Führung für Viktoria. Die Gäste kämpften und ein Kann-Elfer brachte sie sogar fast ins Spiel zurück. Der Keeper taucht ab, der Stürmer kann den Ball eigentlich nicht mehr erreichen und rennt einfach in den Torwart. Na ja. Der glückliche Strafstoß wurde stark verwandelt, doch in der Schlussphase kontert Viktoria eiskalt und schraubt das Ergebnis auf 6:2 hoch. Im Parallelspiel gelang Banik II nämlich das 1:0 und somit hätte selbst ein Remis nicht mehr erreicht. somit schickte Zizkov die armen Varnsdorfer in die Dritte Liga, deren überschaubarer, aber musizierfreudiger Anhang merklich ruhiger wurde.

  • Budweis


    Böhmen bietet neben Prag auch andere interessante Städte an und mit Budweis im Süden lockte eine Biermetropole, die zudem problemlos mit dem Zug erreichbar ist. Zug fahren ist noch sehr günstig dort und teilweise kann man dem Fahrer buchstäblich über die Schulter schauen: die Fahrerkabine ist mit einer durchsichtigen Glas(?)wand abgeschlossen. Budweis beherbergt neben einigen Touristen kann 100.000 Eingeborene und sechs Brauereien. Der Bahnhof liegt östlich der Innenstadt und auf der Karte erkennt man gleich die Altstadt mit dem Grüngürtel ringsherum. Südlich mündet die Maltsch in die Moldau und dort gibt es mehrere schöne Parks. Lauschig!


    Gourmandise

    Die Budwar-Brauerei ganz im Norden kann besichtigt werden und es gibt Führungen auch auf Deutsch und Englisch. Diverser Schruz wanderten in den Rucksack. Neben dem Platzhirsch gibt es noch die ehemalige deutsche Bürgerbräu, nun Samson südlich der Innenstadt. Zum Glück ohne Tiffy! Highlight sind imho zwei kleinere Brauereien. Unmittelbar bei unserer Unterkunft ist das ehemalige Salzhaus, das im Namen Solnice erhalten blieb. Neben gutem Essen lockt auch eigenes Bier, hier sei vor allem das halb-dunkel zu empfehlen! Ganz in der Nähe liegt auch die Straße Krajinska, in Hausnummer 27 das gleichnamige Brauhaus mit ebenso gutem Essen und feinem Bier.

    Wer bei deftigem Essen und gutem Bier nicht 'nein' sagen kann oder will, sollte den Urlaub lieber kürzer planen ...


    Futbology says 'no'

    Sportlich sah's allerdings zunächst mau aus. Platzhirsch Dynamo Ceske Budjovice stieg gerade sang- und klanglos aus der ersten Liga ab und beendete die Saison eine Woche vorher. Das stadion ist offen und kann besichtigt werden. Portraits bekannter Spieler wie Jiri Nemec oder Karel Poborsky erinnern an bessere Zeiten, einen Souvenirshop war allerdings nirgends zu finden. Quasi nebenan sind weitere Perlen wie das Eishockeystadion, die Stiftfabrik Koh-i-Noor und das Wärterhäuschen der Endhaltestelle der Pferdeeisenbahn Linz - Budweis. Tatsächlich zogen ein bis zwei Pferde ein Fuhrwerk auf Gleisen durch das gebirgige Land - diese zentraleuropäische Pony-Express bestand immerhin rund 40 Jahre bis 1872.

    Ansonsten gabs Spiele erst am Abreisetag Samstag, aber nichts vorher.


    Slavia Ceske Budjovice 1933

    Doch Beharrlichkeit zahlte sich aus - etwas südöstlich davon liegt die erwähnte Samson-Brauerei, die ihrerseits nördlich eines netten Naturrasens mit Vereinsheim liegt. Die dort beheimate Slavia lieh sich nicht nur den Namen, sondern auch gleichen Farben und Wappen des Prager Clubs und geht laut Wiki auf eine Literaten- und Rhetorikervereinigung hervor. Und laut Webseite stand günstigerweise am Freitag Abend um 18:00 ein Spiel an.


    Nach einer Tagestour durch das malerische Krummau gings vom Bahnhof schnurstracks zum Feld. Der Zug hielt vorher an einem ominösen Vorortbahnhof, der sich hinter der nächstne Kurve aber als unmittelbare Nachbarschaft zum besagten Slavia-Stadion entpuppte. Also den weiteren Weg vom Hauptbahnhof gehen müssen und daher gleich das erste Tor verpasst. Das zweite fiel, als ich gerade durch den Einlass durch war und mich erstmal orientieren musste.


    Der Eingang ist am südlichen Ende und rechts befindet sich Vereinsheim mit Biergarten und Wurststand hinterm Tor, links wuseln Kinder herum, da dort anscheinend eine Art Kindergarten angrenzt, der baulich eine Mischung aus Hundertwasser und der Yellow Submarine der Beatles aussieht. auf der östlichen Gerade stehen einzelne Bänke und ein Sprecherhaus, westlich des Platzes steht man auf einer Wiese mit den Zäunen der Anwohner im Rücken. Einen Fanshop gabs leider nicht, dafür Programm und Ticket für 30 Kronen, die ich mit dem letzten Geldschein - einer 1000-Kronen-Banknote - gleich mal pompööös bezahlen konnte.


    Am Ausschank wartete aber keine lokale Brauerei, sondern Radegast aus dem östlichen Zipfel Tschechiens. Die namensgebende Gottheit ist auch schön ins Bierglas geschliffen, aber schweren Herzens gab ich das Teil dann doch zurück. Hab schon viel zu viele.


    Sportlich gings wie gesagt Schlag auf Schlag. Die Gäste erhielten nach dem 0:2 einen Elfer, den der Keeper stark parierte und im Gegenzug das 3:0. Das Spiel hätten die Gastgeber fleissig hochschrauben können, versiebten aber den Freiraum beim kontern. Dem etwas überraschenden Anschlusstreffer folgte auch das 4:1, bis gleich zwei absolute Glanzlichter Genie & Wahnsinn des Amateurfußballs offenbarten:


    1) Freistoß für die Gäste zwischen Eckfahne und und Strafraum. Der Schütze holzt das Leder flach in die Zwei-Mann-Mauer und trifft dabei einen Hacken, wodurch der Ball Richtung Fünfer bogenlampt. Der Torwart ruft und will die Kirsche pflücken, greift aber daneben und der Ball hoppelt weiter zum absichernden Verteidiger, der den Ball einfach nach vorne oder zu Seite wegschlagen könnte, da die Gästespieler das Szenario genauso gebannt wie passiv verfolgen wie ich. Der Verteidiger legt den Ball einfach ins Toraus.


    2) Die folgende Ecke: kurzer Doppelpass zum Mitspieler, weiter rein gezogen und dann ein Pfund aus relativ spitzem Winkel an den langen Pfosten, in den Winkel und über den zweiten Innenpfosten in die Maschen. Kreisliga und Weltklasse dicht beieinander!

  • Futbology says 'no'

    Sportlich sah's allerdings zunächst mau aus.

    Wie hast du dann Spiele gefunden? Der Matchkalender hat zwar inzwischen auch schon die tschechischen Spiele drin aber ob das immer so vollständig ist halte ich für nicht wahrscheinlich.

    Du wirst koana vo UNS

    In a world of compromise....Some don’t.


    Hängt die Nazis solange es noch Grüne gibt!

  • Futbology says 'no'

    Sportlich sah's allerdings zunächst mau aus.

    Wie hast du dann Spiele gefunden? Der Matchkalender hat zwar inzwischen auch schon die tschechischen Spiele drin aber ob das immer so vollständig ist halte ich für nicht wahrscheinlich.


    Tatsächlich über Google Maps und Webseiten. Zum Glück steht bei den Fußballfeldern der beheimatete Verein und teilweise ja auch die Webseite. Ist die gut gepflegt, findet man auch die aktuellen Ansetzungen (und nicht die von 2019 wie andernorts).


    Der Platz war übrigens bei Futbology mühsam zu ermitteln, aber der Verein nicht und neu eintragen konnte ich den auch nicht. Also kein drittes Spiel in der App, aber in meinem Herzen und hier im Forum. :D


    Spiel: Slavia Ceske Budjovice - SK Lisov 4:2


    Bilder auf einer tschechischen Seite


    Durch den Sieg bleibt Slavia Dritter und hält die Gäste im Keller. Nachbar Lokomotive CB kann so noch an Lisov vorbei ziehen.

  • Ich weiß nicht ob das nur mit der bezahlten Version der App geht, ansonsten kann ich mal versuchen eine Schritt für Schritt Anleitung zu machen bzw müsste ich vor ein paar Tagen andernorts gemacht haben.

    Du wirst koana vo UNS

    In a world of compromise....Some don’t.


    Hängt die Nazis solange es noch Grüne gibt!

  • bzw müsste ich vor ein paar Tagen andernorts gemacht haben.


    Ja, hast du. |-)


    Ich mach einfach mal nen Thread für die App auf, da kannst du das dann gerne mal reinwerfen.

    Nanakorobiyaoki

  • MTV 1860 Altlandsberg


    Jede Fahrt hat seine Vorgeschichte. Ein kurioses Stadion, ein großer Name, eine Geschichte - Altlandsberg hingegen beginnt mit einer Autobahnausfahrt. Altlandsberg und Seeberg-West klingen für Wahlberliner Ohren eher ungewohnt, zumal die U-Bahn in Hönow endet und die südlich gelegene S-Bahn bis zur Armeestadt Strausberg weiterfährt - die Ecke ist aber auch durch die Autobahn von der Stadt abgeschnitten.


    Das Städtchen mit unter 10.000 Einwohnern - da sind auch die eingemeindeten Dörfer wie das bereits besuchte Bruchmühle bereits eingerechnet - bietet ein putzige Innenstadt mit einem Rest Stadtmauer und zwei erhaltenen Türmen der Stadttore. Das östliche Tor gen Strausberg schaffte es auf das Stadtwappen und das Wappen des MTV. Das laut google maps "historische Scheunenviertel" besteht aus teilweise verfallenen, teilweise noch genutzten Scheunen, wirkt aber eher balkanesk.


    Anreise

    Die erste nennenswerte Radtour mit dem neuen Gefährt, nachdem mir im Spätherbst irgendeine Flitzpiepe das alte Vehikel geklaut hat. Als Katzensitter gings diesmal von Kaulsdorf-Süd quer durch den Ostteil der Stadt Richtung U-Bahnhof Hönow und von da ostwärts hinter die Stadtautobahn in das besagte Seeberg. Beide Namensteile suchte ich allerdings vergebens. Es handelt sich um ein Straßendorf, welches so auch irgendwo in der Mecklenburgischen Pampa stehen könnte. Dahinter folgt zwei Kilometer weiter das besagte Altlandsberg. Alles in allem knapp 18 Kilometer an einem warmen Sommertag, gestreckt durch Falschfahren und einmal durch hohes Gras eines Feldweges unnötig erschwert, aber der weg ist ja auch ein stückweit das Ziel.


    MTV-Sportplatz

    Auf dem Weg dorthin schon an einer Dorfjugendgang vorbei, die sich als die Ultragruppe des Vereins entpuppen sollten. Zwei Banner und ein Eingangsschild mit Wappen begrüßen alle Besucher. Südlich des Platzes befindet sich der Kabinentrakt und der Wurstgrill, in dessen Schatten sich das ältere Publikum sammelte. Getränke gibt's in einem separaten Flachbau mit nettem Vereinsheim und netten Leuten hinter'm Tresen. Direkt vor mir stiefelten zwei Weinrote mit sportlicher Nichtfrisur. Einer meinte nur, als er mich sah: ".. noch so'ne Glatze .." :D

    Dann fiel mir auch ein, dass ich zum Radeln das Perkele-Trikot anhatte.

    Ganz vorne befindet sich eine Fanshopvitrine, die ich abgeschlossen wähnte. Der herbeigerufene Ansprechpartner für Fanutensilien überlegte kurz, aber er hatte nichts dabei. bis heraus kam, dass die Vitrine offen ist und ich den ausgestellten kleinen Wimpel für einen Zehner bekommen kann. Einerseits teuer, andererseits nimmt der MTV auch keinen Eintritt und die Getränke sind mit 3€ für 0,4 Radler auch okay. Vermutlich läßt man Auswärtige mehr latzen als Einheimische und so gab mir die klasse Wirtin noch ein Schlüsselband oben drauf.


    Die Ultras sammeln sich am Rand der Südtribüne - eine einreihige Sitzbank, die in einen kleinen, aufgeschütteten Hügel einbetoniert wurde. So sitzt man wenigstens etwas höher als der Platz. Gegenüber befindet sich ein höherer Hügel, wo vermutlich der andere Hopper saß, der sich bei Futbology einloggte. Die Einheimischen im Vereinsheim konnten aber nicht nachvollziehen, warum jemand zum Fußball so weit raus fährt und zählten Vereine in meiner Nähe auf. Daß ich die alle teilweise mehrfach schon gesehen habe galt wohl nicht als schlagkräftiges Argument.


    Support & Zuschauer

    Jugendliche Ultras besingen ihren Männerturnverein. Großartig. Viele "Digger" in den Absprachen, was und wie als nächstes gesungen werden. Die Gäste aus Storkow gingen erst im Laufe des Spiels darauf ein.

    Neben dem Vereinsheim gabs auch die besten Unterhaltungen. Ein Familienvater erzählt vom dauerdurchzechten Trip nach Ibiza (wie überlebt man das in der Hitze?) und versuchte, seiner Frau einen Pool schmackhaft zu machen.

    Er: für die Kinder doch perfekt, wenn die früh nach hause kommen

    Sie: ist nciht überzeuggt.

    Er: Was hast du denn den ganzen Tag zu tun, wenn nicht den Pool zu nutzen? Die ganze Zeit auf's Handy gucken?

    Sie: Wer macht das Haus sauber?

    Er: ICH habe letztens das Bad geputzt!

    Sie: ICH putze IMMER das Bad!


    Der Beweis, wie private Pools Gespräche eskalieren lassen können!


    Spiel

    Der Gast aus storkow rangiert auf Rang 2 - nur der Erste steigt auf. Das ist die Zweite von Ex-Vorwärts/Ex-Viktoria/jetzt "FC" Frankfurt/Oder. Bei zwei Spielen 5 Punkte Vorsprung und deutlich besseres Torverhältnis minimierten die Chance für Storkow schon vor Spielbeginn merklich, zum FFO II lokal bei Kellerkind Union Frankfurt spielten und der eine Punkt schon dort machbar werden. Durch den Sieg, den der Tabellenführer erlang war das ergebnis im nachhinein ohnehin irrelevant.

    Der MTV ging früh in Führung und brachte die Gäste so in bedrängnis, von anfang an aktiver das Spiel machen zu müssen. Bei den aktuellen Temperaturen kein Spaß. Von den midnestens 3 oder vier hundertprozentigen Konterchancen nutzen sie allerdings nur eine zum 2:0. Die Gäste schafften einen satten Abschluss (knapp vorbei) und eine gute Ecke, die per Kopf zum Anschlusstreffer genutzt wurde. Bei besserer Chancenverwertung wäre Storkow aber schon mausetot gewesen.


    Hätte ich gedacht, dass der MTV ressourcenschonend gespielt hat und die Gäste nun in Ruhe müde laufen ließ - das Gegenteil sit richtig. Storkow marschierte und drehte das Spiel. Von den Gastgebern war zeitweise nichts mehr zu sehen. Dann Überraschend der Ausgleich, doch erneut gelang Storkow die Führung, die Altlandsberg dann in der Nachspielzeit erneut ausgleichen konnte.


    Spielstatistik

    Respekt an die Gäste für die Kondition und den Einsatz!


    Rückreise

    Danach war noch Zeit, den Rest des Ortes zu begucken. Wie oben beschrieben: ein putziges städtchen, dass seinen Zenit bereits vor 600 Jahren überschritt und danach eine klassiche Brandenburger Historie aufweist. Kriege, Pestepidemien und Stadtbrände, zwischendurch dann immer mal wieder Neuanfänge. Der Männerturnverein von 1860 erfreut sich schon einer langen Historie und im vereinsheim gibt es noch einen Wimpel der "BSG Traktor Altlandsberg". Davon gibt es leider keine mehr auf Lager. Apropos "1860" - die Wittelsbacher errichteten hier das einzige Bettelordenkloster der Serviten in der Mark. Eine Verbindung zu den Münchener Löwen gibt's aber anscheinend nicht.


    Edit:

    Altlandsberg hat übrigens kurzzeitig für Furore gesorgt: 1993 wurde hier mit einem indischstämmigen Arzt erstmals ein "dunkelhäutiger" Bürgermeister gewählt.

  • Mtv altlandsberg ist bei meinem futbology seit 2023 spielfrei :D

    Storkow ebenso :winke:


    Joa, das Ding hat auf tiefer Ebene gewisse Schwächen. Bei Kali-Werra hatten sie die aktuellen Spiele auch nicht drin.

    Nanakorobiyaoki

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