• Malta ist nicht nur ein bezauberndes Urlaubsland, sondern auch sportlich interessant. Zumindest wenn man auf kleine Ligen mit einer hohen Derby-Dichte steht. :D


    Casus Knaxus ist allerdings, dass maltesische Vereine nicht im eigenen Stadion spielen, sondern im Tony-Bezzina-Stadion und vor allem im Ta'Qali, dem Nationalstadion. Oder im Centenary direkt daneben. Das macht die Jagd nicht spannender. Nur einige Vereine haben eigene Sportplätze. Wer also dorthin fährt, kann nun Bericht erstatten.


    Freitag, 7.10.22: Hibernians FC Paola vs Zebbug Rangers 1:0


    Donnerstags Anreise, aber natürlich schon vorher geschaut, wer wo spielt. Und die Hibs haben gleich am Freitag ein Heimspiel im eigenen Stadion und im eigenen Stadtgebiet. Top - für den Tag das wunderschöne Birgu und das Fort St. Angelo besichtigt, abends dann langsam gen Süden geschlendert. Manko auf Malta: wandern ist nicht. Was nicht bebaut ist, ist Feld. Was Feld ist, ist mit diesen Steinmauern abgegrenzt, wie man es aus Italien kennt. Und Straßen sind immer extrem schmal und auch gerne mal ohne Fußweg, vor allem außerhalb der Städte. Und die Fahrbahnen sind von Steinmauern umzäunt. Irgendwie dann doch in Paola gelandet. Der Sportplatz liegt mitten in einem Sportpark bzw Industriegebiet, also jwd - wir waren viel zu früh und fanden Dank google maps immerhin ein Lokal dort. Das "Heim" der Hibs selbst wirkte wenig einladend.


    Am Stadion selbst stößt man lediglich auf eine Mauer mit drei Schießscharten; dies sind die Ticket Booth und wenn dort ein Gesicht zu sehen ist, gibt's dort Karten. An der einen dieser winzigen Fenster saß jemand und gab uns Ticket für jeweils einen Zehner. Die Taschenkontrolle übernehmen allerdings Polizeibeamte in Uniform und als Wandersleut' hatten wir natürlich Wasserflaschen dabei. Die Zwei-Liter-Falsche kann/soll rein, aber der Deckel muss abgegeben werden. Hä? Waren auch nicht begeistert, wenn man das in Frage stellt, da eine halbvolle Wasserflasche auch ohne Deckel weiter fliegt als ein separat geworfener Deckel. Hab nach Schlusspfiff auch äusserst höflich gefragt, ob ich meinen Deckel zurückhaben kann. Fanden sie auch nicht gut.


    Das Stadion besteht lediglich aus einer Hauptgeraden. Diese ist zum Feld mit einer Art Plexiglasscheibe abgesichert, die auch die Haupttribüne durchschneidet. In der Mitte ist der VIP und Pressebereich, wieder Plexiglas, dann der Bereich der Gastmannschaft. Hinter dem anderen Tor befinden sich die Umkleiden. Die Tribüne ist mit einem alten Tribünendachgerüst ausgestattet. Ohne Dach. Es soll nebenan ein neues Stadion entstehen. Aber auf Malta dauert sowas, wie mir einer der Ultras erzählte. Auch gibt es keine bekannten Verbindungen zur Namensgebenden irischen Insel. In einer Hütte gibt's Getränke, Chips und Zeug. Fan-Souvenirs allerdings komplett Fehlanzeige.


    Zum Spiel:

    Hier spielt immerhin der amtierende Landesmeister gegen eine mir vorher unbekannte Mannschaft. Vom Spielniveau her nicht einmal Regionalliga. Viele unglaubliche Fehler. Als Freund der Rangers müsste ich eigentlich zur Gastmannschaft halten, aber schottisch wirkte das Spiel nicht: die Hibs in Schwarz und Weiß, die maltesischen Rangers in Grün und Gelb. Also eher Newcastle gegen Norwich. Erst spät fiel das Tor für den Meister: bei einem Konter treibt ein Spieler den Ball durch's Mittelfeld und will den Ball auf den mitgelaufenen Kicker auf rechts spielen - kompliziertestmöglich über die beiden hinten gebliebenen Verteidiger hinweg statt in die Gasse. Da der letzte Verteidiger aber beim Klärungsversuch unter dem Ball springt, ist der Weg dann tatsächlich frei und der Adressat kann den Ball dem Torschützen auflegen.


    Zum Support:

    Eine Ultratrommelgruppe macht am Anfang etwas Alarm, die Tribüne erwachte erst im Lauf der Zweiten Halbzeit. Lag aber eher an den vergebenen Chancen. Bei den Gästen sah ich zwei Banner, ansonsten nix zu hören. Keinerlei Aggressionen alles recht gesittet. Ein paar Püppies marschierten auf dem Weg zum Getränkestand auf und ab.


    Fazit: unterhaltsam, aber wenig Finesse und ein Sportplatz, der gegen den Sportpark von Tasmania nicht mal annährend anstinken kann. Beiindruckend ist der Blick auf die gegenüberliegende Halbinsel Senglea und 'rüber nach Valletta.



    Alles kein Vergleich zum Spiel des Valletta FC gegen die Hamrun Spartans einen Tag später ..

  • Wo bleibt Teil 2? Ich brauche auf der Arbeit was zu lesen! :lickout:

    Det' Vestegnen mod København. Det' kampen, hvor vi lægger dem i graven.

    Blod på trøjen det er ikke nok...!

  • Ich will nicht schreiben, ich will was lesen! :D

    Det' Vestegnen mod København. Det' kampen, hvor vi lægger dem i graven.

    Blod på trøjen det er ikke nok...!

  • Du kannst doch dein Geschriebenes dann lesen. War ja auch nur ne Idee. :ole:

    Was dich nicht glücklich macht, kann weg.

  • Ist immer schwierig, fit genug zum schreiben zu bleiben - tagsüber durch die Gegend rennen, ab Mittags ein gekühltes Cisk trinken und abends dann in Lokalen den Abend bei weiteren Kaltgetränken ausklingen lassen. Irgendwie ist es dann immer spät. :D


    Samstag, 15:00: Valletta FC - Hamrun Spartans 0:1


    Nicht so aber am Samstag. Dort ging es halbwegs früh los, die Inselmitte wartet. Wir haben zwar eine 7-Tage-Buskarte, doch ca 20 Minuten kam ein Oldtimer-Bus vorbei, der für 2,50 ebenfalls in die alte Hauptstadt fährt. Die Kiste war so kultig, dass wir da rein mussten und dadurch früher in der alten Festung oben auf dem Berg waren. Sehr touristisch, aber lohnt sich. Steht man am nördlich Ende, sieht man hinter den trockenen Äckern Ta'Qali - das Nationalstadion, wo die die meisten Vereine spielen. Direkt daneben das Centenary, wo die Zweite Liga kickt, darunter die Top-Mannschaft Sliema Wanderers.

    Nach locker zwei Stunden Mdina und wenig Lust, mich von Bus zu Bus zu hangeln, um da irgendwie hinzukommen, hab ich den ersten Taxifahrer, der da tatsächlich in der Nähe seines Vehikels stand dorthin beordert. Satte 15 Euro kostet der Spaß, aber was soll's. Die Frontseite ist fein verglast und beherbergt einen Malta-Fanshop. Wenigstens was vom Verband einstreichen. Pustekuchen - der Wachmann hinter'm Tresen erklärt uns, dass da nur Montags und Mittwochs offen ist. Eingang sei auf der Rückseite. Schon der Taxifahrer warnte uns, dass der Hamrun-Block womöglich schon ausverkauft sei und das Bild bestätigte sich vor und im Stadion. Schwarz-Rot dominierte, während wir zum "heimischen" Valletta-Block liefen. Also eigentlich nur nebenan auf der Gegengerade. Tickets gab's wieder für einen Zehner. Dafür gab's Stress beim Einlass, mein Polizeibeamter sah zwar die Metallflasche, winkte mich aber durch - meine Schwester ging zur Polizeibeamtin und bekam prompt Ärger deswegen. Also erstmal die Touristenkarte spielen und betonen, dass die teuer und zudem ein Geschenk war (stimmt beides!). Nach einiger Zeit hatte sie keine Lust mehr zu streiten und ließ uns rein.


    Das etwa 17.000 Zuschauer fassende Nationalstadion ist schon herrlich. Man kommt unten herein, passiert Klos, Getränke- und Pizzastand, bevor es die Treppen hoch zur Tribüne geht. Dort stand auch endlich ein Merchandisestand. Wimpel und Pin des Valletta FC erstanden, der Schal war aber kurios: wirkte nicht nur recht billig und selbstgemacht, sondern auch nur einseitig bearbeitet. Erstmal Bier geholt und dann ganz nach oben. Etwa in der Mitte der Haupttribüne befindet sich wie in Paola eine Art Plexiglasscheibe mit einem VIP-Bereich und dahinter der komplett volle Hamrun-Block. Junge Junge, das Tribünenduell verliert die Hauptstadt schon mal deutlich. Blick in die linke Kurve im Norden - mehrere Banner, ebenfalls von Hamrun, darunter natürlich auch eines mit namensgebendem Spartaner. Dazu zahlreiche Winkelemente.


    Doch dann schlug Valletta zurück: ein Opa mit Trommel und eine kleine Blaskapelle spielte ein beindruckendes Repertoire ab, ein Pulk juveniler Ultras mit Capo machte vorne Stimmung. Aber nichts ist so herrlich wie ein klappriger Rentner, der den gegnerischen Fans mit letzter Kraft den Stinkefinger entgegenstreckt und Schmähungen über Hamrun krächzt. Spätestens bei der pathosgeladenen Vereinshymne eskalierte der Block und gab ordentlich Kassala.


    Anstoß. Schnell sah man die Bemühungen der nominellen Gastgeber, aber Hamrun spielerisch doch besser und ging durch einen gut über den Flügel eingeleiteten Angriff in Führung. Spielerisch insgesamt um Längen besser als das Spiel am Vorabend. Einzig am Abschluss scheiterte Valletta. Hamrun schaltete gemächlich herunter und ließ den Gegner kommen. Dabei wären die beinahe eingeschlafen und entschieden sich recht spät, doch mal wieder mitzuspielen. Auch die Fans waren trotz klarer Überzahl verhältnismässig ruhig, bei Pausen der eigenen Band hörte man aber deren Kapelle. Mitte der Zweiten Halbzeit begann auf der anderen Geraden plötzlich Leben - die ersten Fans des Folgespiels (17:15) waren schon vor Ort und postierten ihre Banner des Birkirkara FC und beäugten das Treiben.


    Tatsächlich trieb der Block die eigene Truppe ziemlich nach vorne, die aber zuletzt in der 89. Minute grandios frei vor dem Keeper scheiterten. Valletta bleibt im Mittelfeld kleben, während Hamrun nun Tabellenführer ist. Birkirkara schaffte danach im Folgespiel nur ein Remis gegen Gudja und verlor den Platz an der Sonne.


    Nach dem Spiel ist vor dem Heimweg: an der Bushaltestelle sammelten sich die Dullis, die kein Auto haben. Ta'Qali liegt wie gesagt relativ mittig auf der Insel und ist ziemlich in der Pampa. Zumindest gibt eine eine Bushaltestelle dort, an der drei Linien halten und zwei davon bringen mir auch was. Wenn sie denn fahren. Das ist hier tatsächlich immer eine Lotterie. Tatsächlich kapitulierten mehr und mehr und nach einer Stunde und als Allerletzte stiefelten auch wir von dannen. Immer google maps nach, ostwärts Richtung befestigte Ortschaften mit Anbindung an ein Bussystem. Unterwegs stießen wir dabei nicht nur auf die US-Botschaft, die dort mittendrin liegt, sondern auch die Baustelle, die den Busverkehr entscheidend behindert und wohl der Grund ist, warum dort kein Bus seit einigen Monaten fährt ...

    Irgendwann waren wir in der Nähe unserer Hood. Schockschwerenot!


    Zu Malta könnte ich noch so viel schreiben, aber Valletta stand natürlich noch auf dem Zettel und die letzten beiden Tage ging es eben in die Hauptstadt bzw die zentrale Halbinsel, an deren Spitze sich die 55 Hektar Hauptstand befinden. Ganz oben Fort Elmo, eine Befestigungsanlage, dahinter Floriana, die ebenfalls einen Erstligisten stellen. Alles überschaubar also, wären die Berge nicht. Und wenn es nicht tatsächlich winzige Sportgeschäfte gäbe, die nicht nur die europäischen Vereine feilbieten, sondern auch die eigenen Kleinvereine unterstützen. So entschied ich mich nach langem Überlegen, doch einen Schal mitzunehmen, auch wenn die wohl standardmässig nur einseitig bedruckt sind. Neu in der Sammlung darf ich also Gzira United begrüßen - die Stadt, in der wir unsere Unterkunft haben und noch relativ authentisch ist, trotz mondäner Nachbarschaft zu Sliema und den Bettenburgen von St. Julian. Später fand ich noch einen Pannini-Laden, der Wimpel feilbot - dadurch kam ich doch noch zum Besitz einen Hibernians Paola-Wimpels. Und eines Gzira-Pins. :D

  • Hannoi, hast schon gesehen? Neuer Lesestoff für dich. :nuke: Und wieder konnte ein wenig Arbeitszeit überbrückt werden. :D

    Was dich nicht glücklich macht, kann weg.

  • Nach der Rückkehr habe ich bei Youtube diverse Vereinshymnen gesucht, gefunden und gesichert, so dass regelmäßig Erinnerungen an diese Insel wachwerden, wenn ich meine Ordner mit Fußballliedern in Winamp öffne. Dazu später noch eine kleine Auswahl mit Schönheiten & Schaurigkeiten später. :D


    1. Liga - die BOV-Premiere League

    BOV ist dabei kein Getränk, sondern lediglich die Bank of Valletta. Der Hauptstadtklub selbst und der unmittelbare Vorort Floriana stehen auf den Rängen acht und sieben im grauen Mittelfeld, wobei City sich schon von weiter unten hochgekämpft hat. Läuft man von der Halbinsel ostwärts, so passiert man den nördlichen Zipfel Hamruns (klarer Tabellenführer), wobei man dafür Richtung Inselinneres läuft, nördlich angrenzend und noch am Wasser liegt Pieta (die Hotspurs sind abgeschlagen Letzter). Die Küste entlang zur nächsten Halbinsel führt über Gzita (United, immerhin Zweiter), an der Halbinselspitze befindet das extrem hoch- und zugebaute Sliema (die Wanderers sind Erster der zweiten Liga). Liefe man ostwärts, gelangt man zum Industrievorort Paola (die Hibernians belegen als Vorjahresmeister Rang 3).

    Im Keller hängen Zebbug (7 Punkte aus 14 Spielen), Santa Lucia (5) und eben die Pieta Hotspurs (4) fest. Also haben die Spuds doch nicht so einen Rückstand wie gedacht.

    Tabelle


    2. Liga - die BOV Challenge League

    Oben liefern sich die Sliema Wanderers und die Naxxar Lions ein enges Rennen um die Spitze, die Zejtun Corinthians und die Tarxien Rainbows mit etwas Abstand dahinter. Hatte ich schon die großartigen Namen gelobt? Da würde ich mir einen Wimpel von allen Vereinen in die Wohnung hängen. Letzter sind leider die Vittoriosa Stars, mMn der schönste Ort, den ich bislang da besucht hatte.

    Tabelle


    3. Liga - Iziebet Amateur League

    Eine Liga, zwei Staffeln. In der ersten führen Zabbar und Senglea (letzteres war zumindest schön), in der anderen Msida und Rabat. Eine Saison zum vergessen dürfte es für Ta'Xbiex werden. 11 Spiele, 0 Punkte, 3:47 Tore. Liegt zwischen Pieta, Msida und Gzira. Die alte Hauptstadt Mdina ist Letzter in der anderen Staffel.

    Tabelle

  • Meine Anwesenheit brachte den Spartiaten Glück - die wurden tatsächlich Meister. In 26 Spielen holten sie stolze 69 Punkte und verwiesen Birkirkara (die spielten tatäshlich gleich nach meinem Spiel seinerzeit im Nationalstadion) mit 50 und Gzira mit 48 Punkten auf die Plätze. Letzter wurde Pieta Hotspurs, die mit Zebbug absteigen müssen.


    Tabelle (scrollen, oben ist schon die neue Saison)


    Zweite Liga - der Altmeister Sliema ist zurück!

    Dritte Liga - zweigeteilt, Senglea und Msida dürfen sich über Titel erfreuen, desaströs aber die Kellerkinder. Ta'Xbiex holte in 20 Spielen einen (!) Punkt, Mdina Knights in der zweiten Staffel wenigstens sechs. Als alte Hauptstadt deprimierend.


    Damit die Liga nicht nur aus kuriosen Namen bestehen soll, sondern auch die Heraldik und Fanfarenklänge hängen bleiben (Optik & Akustik) soll: die Hymnen!


    Favoriten:

    Valletta FC

    Hamrun Spartans


    Ziemlich gut:

    Sliema Wanderers

    Floriana

    Birkirkara - gefällt mir weniger als die von Floriana, aber hat was

    Pieta Hotspurs - hat was

    Als Aufsteiger ziemlich lustig: Naxxar Lions


    Zwischen Uffta-Uffta und einschläfernd:

    Hibernians Paola

    Balzan

    Mosta - fängt gut an, lässt genauso schnell wieder nach. Könnte auch die Erkennungsmelodie des lokalen Kindergartens sein.

    Zebbug - na ja ..


    Gzira- da weiß ich noch nicht, ob ich die Hymne schlimm oder kurios finde ..

    Gudja - dito ..

    Sirens FC - auch eher na ja


    Santa Lucia - grausam. Ballermann ..


    Aus dem unterklassigen Bereich

    Senglea Athletic

    und noch eins von Senglea- das ist richtig geil :D

    Zejtun Corinthians - der etwas künstliche Beat ist anstrengend, aber gute Hymne

  • Danke! Sowas finde ich ja erst seit einer längeren Autofahrt so richtig großartig. Hat was von Stockholm-Syndrom.


    Kampfkater in den Thread bitte, es gibt neues Futter.

  • Und kaum sprechen wir über Malta, sind die in aller Munde:


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    Gzira United gewinnt im Elfmeterschießen 14:13 gegen Glentoran! Man achte auf den emotionalen Kommentar der Gastgeber beim Ausgleich in letzter Minute und dem kuriosen Elfmeterschießen.

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  • Freitag: Msida St. Joseph vs Attard FC 1:1


    Stadion: Viktor Tedesco - Stadion

    Diese kleine, von außen unauffällige Stadion liegt in Hamrun südlich der schönen Küstenlagen Pieta und Floriana eher Richtung Landesinnere und ist daher deutlich weniger nobel und touristisch als die nördlichen Nachbarstädtchen. Der städtische Verein nutzt dabei aber den Platz gar nicht, weil die Maltesische Premier League nur im Nationalstadion und in Paola gespielt wird, dabei ist Letzteres auch nicht wesentlich größer. Hier wird idR die zweithöchste Liga gespielt und beide Mannschaften reisen an, der Heimvorteil wie so oft eher nomniell. 700 Sitzschalen an der Haupttribüne, wieder streng getrennt zu den jeweiligen Mannschaften und mittig der VIP-Bereich. Ansonsten zu zwei Seiten Wohngebiet und rechts hinter der Mauer die Straße.


    Msida hat hier allerdings einen kleinen Heimvorteil, liegt die Stadt westlich von Pieta nur rund zwei Kilometer entfernt, eher weniger. Am Kartenstand muss man sich entscheiden, in welchen Block man will - unsere Wahl war richtig, insgesamt 40 Zuschauer entschieden sich für Msida, etwa 10 für Attard. Im Spiel um die goldene Ananas - Msida mit 7 Punkten abgeschlagen Letzter, Attard mit mehr punkten abgeschlagen Vorletzter - war der nominelle Gastgeber zumindest deutlich engagierter. Das 0:1 fiel beim Bierholen, aber immerhin gab's bald den Ausgleich. Ansonsten Einsatz ohne Fortune. Zumindest die Trainerbänke waren stimmlich gut aufgelegt und einige Msida-Anhänger zogen langsam nach.


    Tabelle

  • Heute: Naxxar Lions vs Valletta FC 4:0


    Anfahrt:

    Bus fahren in Malta ist nicht einfach. Das Stadion wird immer noch nicht direkt angefahren, diesmal gibt's wenigstens bei den Haltestellen entsprechende Hinweise. Da Uber irgendwelche Fehler moniert, bleiben nur die Linienbusse übrig. Wenn sie denn anhalten - ist der Bus voll, wird nur angehalten, wenn einer aussteigen will. Ansonsten Winke-Winke und weiter. Nach zwei achselzuckenden Fahrern in Folge galt es also erstmal zu einer günstigeren Position zu laufen, wo vielleicht schon mehr Leute wieder ausgestiegen sind. Das erste angedachte Spiel fiel dadurch schon mal weg. Überdies fuhren die nächsten Busse nur in die grobe Nachbarschaft rund zwei Kilometer entfernt. Dadurch landeten wir in Mosta, einer überraschend schnieken kleinen Stadt mit einer pittoresken Pfad durch die Stadt, der alle Italienklisches aufleben lässt. Blumentöpfe, schöne Häuser und am Ende des Weges eine schöne Kirche. Es handelt sich um die Rotunde zu Mosta, eine der größten Kuppelkirchen der Welt und dazu ein absolutes Schmuckstück. Zudem mit einem echten Wunder: 1942 krachte mitten in die volle Kirche eine Fliegerbombe - und detonierte nicht. Die 300 Menschen kamen mit dem Schreck davon. Ein Nachbau ist als Gedenkutensil ausgestellt.


    Von Mosta führt komoot über Felder und enge Pfade zum Ta'Qali, dem Nationalstadion. Vor anderthalb Jahren bereits besucht und dort im Valletta-Block die 0:1-Niederlage (und spätere Meisterkrönung) der vom Kampfkater gern ob des Namens verspotteten Hamruner Spartans gesehen. "Hamrun" wird vorne wie ein "deutsches" a und hinten mit gedehntem "u" gesprochen.


    Ausgangsituation:

    Heute sieht die Situation für die erfolgsverwöhnten Hauptstädter noch deutlich trüber aus. Durch eine Ligareform wird die Premier League auf 12 Mannschaften reduziert und gleich vier Mannschaften eine Etage nach unten geschickt. Eine Herkulesaufgabe für einen Aufsteiger wie Naxxar - und dennoch wurde dies bereits am vorletzten Spieltag mit Bravour erledigt. Ganz im Gegensatz zu Valletta, die als Drittletzter unter Zugzwang standen und dringend punkten mussten.

    Ohne Mittag ging es in's Stadion mit Hoffnung auf Pizza, die es beim letzten Spiel noch gab, doch Pustekuchen. Nur die üblichen Chipstüten. Zweite Enttäuschung: keinerlei Fanshop, somit auch keine Souvenire.


    Spiel:

    Beide Fanszenen legten mit Orchester und Pauken ordentlich los und es waren rund 100 Sekunden gespielt, als ein Schuss des Japaners Yamaguchi die Hauptstädter ins Mark traf. Schön in den Winkel. Die Lions ließen nun den Ball laufen und hätten durchaus schneller nachlegen können, da Valletta die Flatter bekam. Die Chancen auf den rettenden Rang zehn waren ohnehin gering, aber es gelang durch den frühen Rückstand nahezu nichts. Nach einer halben Stunde dann das 2:0 aus abseitsverdächtiger Position und noch vor der Halbzeit das vorentscheidende dritte Tor. Nun brachen alle Dämme bei den Naxxar-Fans, während der Valletta-Block verstummte und den Support einstellte.


    Naxxar hätte sich nur noch selbst schlagen können und bot dies auch freimütig an. Nach einem Schlag gegen den Torschützen ging der kleine Japaner auf den Übeltäter los und Doppel-Rot durchaus vertretbar, doch das sonnige Gemüt der Malteser in Form des Schiedsrichters beließ es bei Gelb. Allerdings gerieten nun auf Seiten der Lions die Torschützen des ersten und zweiten Treffers aneinander und mussten von den Mitspielern getrennt werden. Verrückt.


    Nach dem Pausentee legte der Stoßstürmer bei einem Konter mustergültig auf und ermöglichte das 4:0. Valletta bekam nie Zugriff auf das Spiel, lediglich Einzelaktionen ohne Torgefahr waren zu erkennen, allerdings setzten einige Spieler kaum richtig nach und die Körpersprache schon früh eher defätistisch denn kämpferisch.


    Kurios: da in den Stadien häufig Spiele nacheinander weg stattfinden und diesmal auch die gleichen Fanblöcke genutzt wurden, fanden sich sukzessive Fans von Birkirkara ein, die erfreut über den drohenden Abstieg Vallettas Schmähgesänge anstimmten oder mit den Naxxarfans gemeinsam "Cheerio - Cheerio - Cheerio!" gen Vallettablock schmetterten, was dort für einige Aggressionen sorgte. Allerdings ist der VIP-Pufferblock mit spitzen Zacken gesichert, so dass ein Blocksturm ausblieb. Der Valletta-Bus wurde dann gleich von zwei Seiten aus belagert: die Fans des Hauptstadtclubs belagerten das Tor, am Seitenrand der Tribüne sammelten sich wiederum Birkirkara-Fans, die ihrerseits Schmäh dem Gegner angedeihen ließen.

    Es handelt sich um deren ersten Abstieg überhaupt! Quasi ein live erlebter Dino-Tod.


    Der Magen hing uns allerdings in den Kniekehlen und das Folgespiel ging ewig nicht los. Also machten wir uns irgendwann auf den Weg.


    Spiel

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