DEL (1)
Kölner Haie - Nürnberg Ice Tigers
7:4 (3:0 / 6:3) 
Nachdem ich letzte Saison die Hallen in Iserlohn und Krefeld gekreuzt hatte, lag es natürlich auf der Hand, dass auch die beiden verblieben großen NRW-Standorte dran kommen müssen. Der Anfang wurde nun mit der Domstadt gemacht. So ging es also am 25. Spieltag zum Freitagsspiel gegen Nürnberg. Trotz einem Monat Vorlauf war es selbst gegen diesen eher unspektakulären Gegner gar nicht so leicht, noch zwei zusammenhängende Tickets zu bekommen. Und bezahlbar ist generell auch nur der Oberrang.
Für 32 € sollte es dann also quasi direkt unter das Dach gehen, aber immerhin.
Anreise per Auto am Freitagnachmittag nach Köln natürlich immer so eine Sache, aber wir kamen frühzeitig an und sind ins Parkhaus der Arena, wo man während Veranstaltungen für 9€ stehen kann. Da ich vor ein paar Wochen noch in der Halle zur Comedy Night XXL war, kannte ich glücklicher Weise die Gegebenheiten vor Ort. Meine Hoffnung, dass bei einem Spiel der Haie aber weniger Auswärtige via Auto anreisen, hat sich bewahrheitet. Daher sowohl vor als auch nach dem Spiel deutlich weniger Chaos im Parkhaus.
Spielstätte der Haie ist seit 1998 diese gigantische Mehrzweckhalle in Deutz. Und natürlich merkt man an allen Ecken und Enden, dass da nichts auf Fan- und Stadionkultur ausgelegt ist. Komplett überteuerte Preise für absoluten Fraß, Garderobe und kein abgegrenzter Gästeblock. Wurst und Kölsch (zusammen im Menü für 9,50 €) mussten dennoch rein. Generell bin ich Kölsch ja gar nicht abgeneigt und das Dom Kölsch ging auch Becher für Becher gut runter an dem Abend. Schon praktisch, wenn jemand mit Zapfrucksack während des Spiels ran gewunken werden kann, der direkt wieder vollmacht. Einen Schal gabs zuvor auch noch am gut ausgestatteten Fanshop.
Das gesamte Programm war natürlich wie immer beim Eishockey sehr auf Spektakel getrimmt und in einer dermaßen großen Halle wirkt das ganze dann auch noch sehr viel imposanter. Mit diversen Cams, einem verrückten Maskottchen, Pyro- und Lichtshow schon alles ziemlich amerikanisch. Die viele kölsche Karnevalsmusik hat sich aber dann doch von anderen Standorten abgehoben und dem ganzen einen stimmigen Charme verliehen.
Zusätzlich zu den zwei Rängen der Arena gibt es auf den beiden Hintertorseiten noch kleine Stehtribünen im Innenraum.
Auf dem Eis wurden die Haie im ersten Drittel ihrer Favoritenrolle absolut gerecht und so stand es nach den ersten 20 Minuten bereits 3:0 für die Gastgeber. Die zwei anderen Drittel waren deutlich ausgeglichener und endeten jeweils Unentschieden (3:3 & 1:1), aber zu keinem Zeitpunkt machten die Franken den Eindruck als wenn man den Rückstand realistisch noch aufholen würde können. Spannung daher leider frühzeitig raus, was für den neutralen Zuschauer wie mich natürlich etwas schade war.
Kommen wir zur Stimmung. Unter Fußball-Gesichtspunkten natürlich immer etwas schwierig einzuordnen, da nicht vergleichbar. Das Spiel ist schneller, oft unterbrochen und es wird laufend Musik abgespielt. Dauersupport daher eher schwierig umsetzbar, auch wenn die Eishockeyszenen, je nach Standort sicher unterschiedlich stark ausgeprägt, dem Vorbild beim Fußball schon zu folgen versuchen.
So gibt es beim KEC mit dem "Inferno della Nord" ebenfalls eine ultraorientierte Gruppe, die über die gesamte Spielzeit mit Trommeln, Megafon und Fahnen aktiv war. Da haben die mich auf jeden Fall positiv überrascht, denn so ausdauernd hätte ich das bei denen nicht erwartet. Stieß ehrlicher Weise beim Rest der Anhängerschaft aber gefühlt auch nicht auf allzu fruchtbaren Boden, denn die Mitmachquote an Leuten, die sich bei diversen Hüpfeinlagen etc. vom Vorsänger haben animieren lassen, war wirklich überschaubar.
Schlechte Stimmung war aber überhaupt nicht in der Halle. Permanent ein guter Lautstärkenpegel, permanent Gesänge für das Team und zumindest der Unterrang hat sich vom Spiel auch gut mitreißen lassen.
Die andere Hintertorseite (Süd) war ebenfalls über die gesamte Spielzeit am singen. Manchmal für sich, manchmal mit der Nord zusammen. War aber eher klassisch und weniger ultraorientiert, wobei ich hier keinen falschen Eindruck erwecken möchte. Im Vergleich zu ihren Gesinnungsgenossen beim Fußball war das Inferno auch schon sehr klassisch und wenig kreativ unterwegs, was das Liedgut angeht. Was anderes wäre im Haifischbecken auch sicher nicht vermittelbar. Highlight war zu Ende des Spiels ein Wechselgesang zwischen beiden Kurven über mehrere Minuten hinweg.
Aus Nürnberg waren so ca. 120 Leute angereist, was für einen Freitag sicher gut ist. Die haben auch fast über die gesamte Spielzeit immer mal Gesänge ins Rund geschickt, aber trotzdem blieb es deutlich hinter meinen Hoffnungen zurück. Die Ultragruppe "Fedaltá 0911" ist optisch nämlich nicht aufgetreten, obwohl man sich im aktuellen Saisonrückblick noch damit gerühmt hatte, bei jedem Spiel anwesend zu sein. Naja, kein Ahnung, zumindest am Freitag hing keine Fahne der Gruppe im Kölner Gästeblock. Trotzdem, an sich waren Anzahl und Stimmung schon definitiv nicht schlecht.
Alles in allem ein interessanter Ausflug in einer imposanten Halle - Köln hat immerhin den höchsten Zuschauerschnitt in ganz Europa. Stimmungsfördernd ist das Riesenteil sicher nicht, zumindest wenn man auf dem Oberrang sitzt und dass die Gäste in der hinterletzten Ecke geparkt werden, ist auch absolut nicht geil, aber es geht halt auch spürbar mehr um Spektakel und nicht um Fankultur. Ausflug hat sich auf jeden Fall gelohnt, glaube aber nicht, dass mich das Haifischbecken allzu schnell wieder sieht.