Dem Zebra sein Stall: Spiel- und Erlebnisberichte

  • Regionalliga Nord (4):

    Altonaer FC 93 - Bremer SV

    :deuafc93:1:1 (0:0) :deubsvhb:




    Da ich mir zur neuen Saison fest vorgenommen habe, endlich ein paar Stadien zu kreuzen, die oben auf meiner Liste stehen, sollte der Anfang mit Hamburgs coolsten Verein gemacht werden. Die Ansetzung war perfekt, da aufgrund der Entfernung nur ein Samstag-Spiel in Frage kam, wir an diesem Wochenende spielfrei hatten und mit dem BSV ein interessanter Verein inkl. Fanszene in die Adolf-Jäger-Kampfbahn kommen sollte. So hieß es also Hamburg-Altona gegen Bremen-Walle.


    Anreise per Auto lief bis Bremen denkbar entspannt, ab da wurde es nervig und für die restliche Strecke haben wir 1 1/2 Std. länger gebraucht als normal. Ätzend, aber die Vorfreude aufs Spiel hat die Laune oben gehalten. Geparkt wurde am nahegelegenen P&R-Parkplatz der S-Bahn Station (2€ für den gesamten Tag) und von da ging es zehn Minuten zu Fuß zum Stadion. Eine halbe Stunde vor Anpfiff dort angekommen wurden zunächst die Sanitär-Anlagen begutachtet (schön zugestickert) und anschließend Schinkenwurst und Pils verdrückt. Gab Ratsherrn Pils (fand ich sehr lecker) in Mehrwegbechern mit verschiedenen AFC-Designs. Pluspunkt. Da der Anpfiff näher rückte und wir das bereits sichtbar aufgebaute Intro nicht verpassen wollten, ging es nun auch direkt und ohne Fischbrötchen auf die überdachten Sitzplatz-Tribüne zu unseren Plätzen.

    Diese wirkte sehr in die Jahre gekommen, olle Sitze ohne Rückenlehne, Sandboden zwischen den Reihen, runter gerocktes Wellblechdach - kurz: Geiles Teil! Sicht von Höhe Mittellinie auf Feld und Gegengerade super, konnte also los gehen.


    Da die Fanszenen von AFC und BSV eine Freundschaft pflegen, standen die Gäste nicht im eigentlichen Gästeblock, sondern mit auf der Gegengeraden. Entsprechend gab es ein gemeinsames Intro. Links von den Trainerbänken bei den AFC-Fans hing ein großes Banner "Altona und Walle", zwischen den Trainerbänken beide Vereinswappen groß auf Regenbogengrund und rechts von den Trainerbänken vor den BSV Fans ein "Fußball für alle"-Banner. Unter diesem Motto stand das Spiel bereits im Vorfeld wie beide Vereine kommunizierten. Gute Sache. Dazu gab es schwarze, rote sowie blaue und weiße Luftballons auf der gesamten Gegengerade. Kein Intro, das neue Maßstäbe gesetzt hat, aber top Botschaft und sah schön aus.


    Kommen wir zum Sportlichen: Dass es für beide Clubs ein toller Erfolg ist, in der Regionalliga zu spielen und nichts anderes als der Klassenerhalt das Ziel sein kann, dürfte klar sein und genau so sah das auch aus. Sehr limitiert von beiden und ich war wirklich erstaunt, dass das Niveau auf keinen Fall höher als in der Oberliga Westfalen ist. Also in NRW würden beide ganz sicher nicht Regionalliga spielen, was aber auch irgendwie logisch und wenig überraschend ist.


    Im ersten Durchgang waren die Gastgeber optisch überlegen und hatten mehr vom Spiel, dennoch gab es die besseren Chancen für die Bremer. Viele davon gab es beidseitig aber nicht.
    In der zweiten Halbzeit kam der BSV etwas besser aus der Kabine und für Altona gab es relativ schnell eine Gelb-Rote Karte nach einem Schubser. Vermag ich nicht zu bewerten, ob das wirklich Gelb nach sich ziehen musste, aber ab da ging es auf jeden Fall auf dem Feld weniger freundschaftlich zur Sache als auf den Rängen.
    In der 66. Minute dann ein schönes Kopfballtor der Hamburger. Etwas überraschend zu dem Zeitpunkt. Der Keeper von Bremen sah da aber auch sehr schlecht aus. Danach war es ein umkämpftes Spiel ohne wirkliche Torraumszenen. Erst eine Ecke in de 85. Minute führte dann zum Ausgleich.
    In der 90. Minute kam es dann zum Aufreger des Spiels, als der Schiedsrichter nach einem optisch normalen Zusammenstoß an der Mittellinie plötzlich glatt Rot für einen Spieler der Hausherren zog. Er stand direkt daneben und eigentlich sage ich immer, dass er schon wissen wird, was er da gesehen hat, aber auch in der Zusammenfassung nun wird mir nicht klar, warum das ein Platzverweis sein soll. Das Publikum war auf jeden Fall wenig erheitert, Bremen in zweifacher Überzahl, aber Altona erkämpfte sich den Punkt.


    Zum Drumherum:

    Also erstmal muss ich sagen, dass das da schon ein geiles entspanntes und bunt gemischtes Publikum war. Da hat der AFC seinem Ruf definitiv aller Ehre gemacht. Auf der Tribüne die obligatorischen Meckerköppe (nicht negativ gemeint), ein kleiner Stehplatz-Fanblock neben der Tribüne und hinter dem Tor der so genannte "Zeckenhügel". Ein Graswall, auf dem eine hohe Anzahl alter Punkts ihren Platz haben. Viel Dosenbier, händisch bediente Anzeigetafel, geil.
    Die meisten Anhänger versammelten sich aber auf der Gegengeraden. Auch ein geiles Teil mit hohen Stufen, viel Grün und rostigen Trainerbänken. Der eigentliche Gästeblock auf der anderen Hintertorseite sah schon kurios aus. Ein kleines Stück alte Kurve mit einem eigenen Eingang, weit weg vom Spielfeld und vom Grün befreit steht dort zur Verfügung. Die restlichen zwei Drittel der Kurve konnte man im Gebüsch nur noch erahnen. Könnte mir vorstellen, dass als Gästefan ein Besuch in der AJK daher vielleicht nicht so richtig toll ist.

    Ich aber war wirklich begeistert vom Stadion. Super geiles Teil.


    Nur von der Stimmung, muss ich ehrlicher Weise sagen, habe ich mir etwas mehr erhofft. Dass es bei beiden Clubs keine Ultras gibt, war mir bekannt, also dass Dauersupport daher unwahrscheinlich ist, logisch und kein Problem, aber aktive Fanszenen gibt es ja dennoch bei beiden. Auf der Gegengeraden wird die Stimmung von der "Interessengemeinschaft Gegengerade Steh" organisiert. Nach dem gelungenen Intro kam leider aber nicht mehr viel außer ein paar Schwenkfahnen und mal hier und da ein Schlachtruf. Keine kreativen Gesänge, keine längeren Gesänge. Zumindest ersteres hätte ich schon vermutet. Klar, das Spiel hat nu auch nicht so richtig viel hergegeben und als es am Ende hitzig wurde, war das Publikum auch von allen drei Tribünen lautstark dabei, weshalb sich erahnen lässt, was hier möglich sein kann, aber zumindest am vergangene Samstag, kam da nicht viel. Schade. Auch vom Zeckenhügel zwischendurch Schlachtrufe.
    1.800 Zuschauer insgesamt. Da man bei den ersten beiden Heimspielen jeweils über 3k hatte, auch das etwas überraschend. Vielleicht lag es am Bundesligastart, keine Ahnung. Gut gefüllt war das Stadion dennoch, daher wäre es mit der doppelten Anzahl an Zuschauern sicher unentspannt geworden, was diverse Wartezeiten angeht.


    Die Gäste aus Bremen-Walle waren schon im Vergleich aktiver. Auch hier gibt es zwar keine Ultras, aber mit der "Antifa Panzenberg" eine aktive Gruppe. Ebenfalls kein Dauersupport oder sehr lange Gesänge, aber man hörte deutlich häufiger etwas von den ca. 100 bis 120 Gästen. Gab ein Spruchband inkl. orangener T-Shirts, das die Zustände bei Lieferando kritisierte. Unterstützt wurde man von Anhängern des Dresdner SC. Zumindest hing die Fahne der "Fanszene Friedrichsstadt" bei denen der BSV-Fans.


    Insgesamt standen neun Zaunfahnen der Gastgeber 17 Zaunfahnen der Gäste gegenüber + eben eine vom Dresdner SC.


    Im Fanshop-Container gabs noch Balkenschal, Kaffeetasse und Wimpel für mich. Sehr gute Auswahl für einen eher kleinen Verein.


    Alles in allem ein toller Stadionbesuch, für den sich die Anreise gelohnt hat. Stimmung hätte gerne mehr sein dürfen, aber dennoch eine angenehme Atmosphäre, ein großartiges Stadion und sympathische Gastgeber mit tollen Werten. Kann ich jedem ans Herz legen, wenn man eh in Hamburg ist.


    Nach dem Spiel ging es via S-Bahn innerhalb von zehn Minuten Richtung Landungsbrücken und Dom und nachts dann entspannt nach Hause.


    Altona und Walle - Fußball für alle!


    Spielhighlights auf Youtube

    Wattenscheid statt Bochum

  • Da waren übrigens sowohl vereinzelte Leute mit HSV als auch mit STP Zeug im Stadion. Also auf Altona können sich scheinbar alle einigen. :D

    Wattenscheid statt Bochum

  • Daraus setzt sich das AFC Publikum zusammen

    Enttäuschte Pauli Altpunks und linke HSVer, die schon lange vor dem HFC Falke keinen Bock mehr auf die Nazi- und kommerzkacke hatten

  • Regionalliga Südwest (4):

    SV Eintracht Trier - SV Sandhausen

    :deusve: 3:1 (1:0) :deusan:




    Weiter ging es mit Regionalliga-Hopping. Diesmal war Trier dran, da der Termin ganz gut gepasst hat und mit Sandhausen auch eine Fanszene den Gästeblock bevölkern sollte. Per Auto ging es Richtung Luxemburg und abgesehen von der obligatorischen Nerverei um Köln rum, lief es bis Trier auch sehr entspannt. Ankunft am Stadion war eine Stunde vor Anpfiff geplant. In Wirklichkeit waren wir mit Anpfiff aber erst drin, da es ganze 45 Minuten gedauert hat, einen Parkplatz zu finden. Absolute Vollkatastrophe, totaler Stau auf der Hauptstraße, keine offiziellen Parkplätze. Auf der Homepage von der Eintracht stand im Vorfeld auch nichts zur Anfahrt, also wird man da als Auswärtiger nicht gerade gut abgeholt.
    Endlich einen gefunden, hat der Parkscheinautomat weder Scheine noch Karte genommen, sondern nur Münzgeld oder eine App. Für die App keine Zeit gehabt, Münzgeld hat nur für eine Stunde gereicht, also Mut zur Lücke. Mal schauen, ob da was noch kommt, aber zumindest hatte ich kein Ticket am Auto.


    Etwas gestresst also mit Anpfiff das Stadion erreicht, 16 Euro für die Vortribüne (Sitzbänke unterhalb der eigentlichen Sitzplätzen) gezahlt und rein. Zum groß Umgucken war natürlich keine Zeit, aber da das Fanshop-Fenster direkt neben dem dringend benötigten Klo war, gabs zumindest direkt den obligatorischen Schal. Einen sehr schönen sogar, wie ich finde.
    Unsere Plätze waren gegenüber vom Ultra-Block der Trierer, Sicht aufs Spielgeschehen war super und den Gästeblock konnte man auch gut einsehen. Es war also angerichtet.


    Beim Moselstadion handelt es sich um ein Leichtathletikstadion mit zwei relativ flachen offenen Kurven. Dazu überdachte Stehplätze auf der Gegengeraden und eine schöne Haupttribüne mit zwei Ebenen. Oben Sitzschalen, unten Holzbänke. Tribüne geht aber nicht über die gesamte Länge der Geraden. Besonders ist sicherlich der schmale Übergang über dem Marathontor in der heimischen Ostkurve. Im gesamten eine sehr nette Hütte, auch wenn es für mich deutlich schönere Stadien in der Art gibt. Die Fluchtlichtmasten fand ich persönlich - dickes sorry - gar nicht schön.


    Auf dem Platz sahen wir ein relativ einseitiges Spiel zu Gunsten der Gastgeber, allerdings wurde wenig aus der Überlegenheit gemacht. Zu oft ging der letzte Pass schief oder es wurde nicht der Abschluss gesucht. Nach einer halben Stunde dann aber die Erlösung für die Eintracht. Im zweiten Durchgang alles beim Alten und als in der 76. auf 2:0 erhöht wurde, schien die Messe gelesen. Wie aus dem Nichts, gelang den Gästen aber in der 88. Minuten der Anschlusstreffer. Wer nun dachte, dass die Sandhäuser [sic] anrennen würden, sollte sich irren. Selten so eine tote Mannschaft gesehen. Keinerlei Kampf. Da scheint einiges beim vor der Saison gehandelten Top-Favoriten nicht zu stimmen. Mit dem 3:1 machte der SVE dann den Deckel drauf. Ein sehr unterhaltsames Spiel und ein deutlich höheres Spielniveau als vor ein paar Wochen in Altona.


    2.800 Zuschauer waren da, davon schätzungsweise 200 Gästefans. Gegengerade gut gefüllt, Ostkurve bis zum Marathontor ebenfalls. Schön viele Zaunfahnen, auch ein paar alte Schätzchen.
    Die Heimszene rund um "Insane Ultra" steht auf der überdachten Gegengeraden und hat bewiesen, dass der Standort auch absolut Sinn macht. Super Akustik, Stimmungskern geht auf den paar Stufen sehr in die Breite. Mitmachquote war top, Lautstärke war über die gesamten 90 Minuten sehr anständig, die Fans in der Ostkurve beteiligten sich aber leider nie wirklich am Support. Mit der Haupttribüne gab es einen gelungenen Wechselgesang.
    Liedgut war jetzt nicht allzu individuell, sondern bestand eher aus bekannten Melodien und Gesängen. Find ich aber auch nicht schlimm. Keine Pöbeleien, Unterstützung gab es von Fans des FC Metz.
    Kleiner Funfact am Rande: In Metz gibt es zwei Kurven mit je einer Ultragruppe. Die eine (Gruppa Metz) hat eine Freundschaft zu Trier, die andere (Horda Frenetik) zu Kaiserlautern. Stell ich mir bei Auswärtsspielen des FCM schon seltsam vor, wenn dann beide Gruppen, Trierer und Pfälzer zusammen stehen.
    In der zweiten Halbzeit gab es eine gemeinsame Spruchbandaktion mit den Gästefans bzgl. Verbandsstrafen sowie einen Wechselgesang gegen die Verbände.


    Aus Sandhausen ist ein sehr anständiger Haufen angereist. Sicherlich 200 Leute, davon quasi alle in weiß und Teil des aktiven Kerns. Galt die SVS-Szene in der zweiten Liga (zurecht) noch als uninteressanter, kleiner Haufen ist man nun diesbezüglich in der Regionalliga perfekt aufgehoben und hat sich in den letzten Jahren auch sehr gemacht (sofern man das von außen beurteilen kann). Gehört hat man von unseren Plätzen zwar nur selten was von der "Szene 1916", aber der Haufen war stets in Bewegung und der Fahneneinsatz war sehr ansprechend. Daumen hoch.


    Nach dem Spiel ging es noch in die die sehr schöne Innenstadt inkl. Porta Nigra, zum Amphitheater und auf den Aussichtspunkt Petrisberg. Hatten einen guten und ansprechenden ersten kurzen Eindruck von der Stadt Trier. Nach einer Stärkung bei Subway ging es dann ohne Zwischenfälle zurück in den Pott. Schöne Tour, hat sich gelohnt.


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    Wattenscheid statt Bochum

  • Ankunft am Stadion war eine Stunde vor Anpfiff geplant. In Wirklichkeit waren wir mit Anpfiff aber erst drin, da es ganze 45 Minuten gedauert hat, einen Parkplatz zu finden. Absolute Vollkatastrophe, totaler Stau auf der Hauptstraße, keine offiziellen Parkplätze. Auf der Homepage von der Eintracht stand im Vorfeld auch nichts zur Anfahrt, also wird man da als Auswärtiger nicht gerade gut abgeholt.

    Das ist in der Tat schwierig. Ich war beim Pokal gegen den TuS Koblenz da und sehr früh dran.

    Da hab ich dann Östlich vom Stadion in einer Querstraße der B49 geparkt und bin dann so ca. 5-10 Minuten zwischen den Tennisplätzen und dem Friedhof zum Stadion gelaufen.

    Du wirst koana vo UNS

    In a world of compromise....Some don’t.


    Hängt die Nazis solange es noch Grüne gibt!

  • Regionalliga Nord (4):

    VfB Oldenburg - BSV Kickers Emden

    :deuold: 2:1 (0:1) :deubsv:



    Weiter ging es mit dem Abklappern der To-Do-Liste. Diesmal wieder über die A1 in Richtung Norden zum Derby zwischen dem VfB Oldenburg und den Kickers aus Emden. Super entspannte Anreise und angenehmes Fahren trotz Ferienbeginn in NRW.
    Frühzeitig angekommen, wurde in einer Nebenstraße am Stadion, welches direkt an der Autobahn liegt, geparkt und von da ging es innerhalb von 15 Minuten durch eine nette Villengegend und den Schlosspark Richtung Innenstadt.
    Im besagten Park wurde es dann fast noch brenzlig. Aus der Ferne hörte man bereits die Böllerei der Kickers-Fans, welche am Bahnhof angekommen sind, als um uns herum einige motivierte Kleingruppen der Gastgeber auf der Suche nach ostfriesischen Gästen in den Park gerannt kamen. Glücklicher Weise nahm man von unserer Reisegruppe aber keine Notiz. Dennoch lieber mal raus aus dem Park und rein in die wirklich schöne Innenstadt.


    Vorbei an dem sehenswerten Rathaus ging es durch die Fußgängerzone Richtung Lappan und dort in eine Lokalität, wo es ein leckeres lokales Bier sowie Matjesfilet für den Magen gab. Vereinzelt mal Leute mit Schal gesehen, aber wirklich gemerkt hat man in der Stadt nicht, dass gleich ein paar Gehminuten entfernt Fußball ist. Nach einer Stunde machten wir uns dann auch wieder auf den Weg zum Stadion Marschweg.


    Einlass entspannt, ein Bier im Vereinsbecher für die Sammlung und in Besitz eines sehr schönen Retroschal vom VfB ging es also auf die Haupttribüne.
    Im Gesamten ist die Bude jetzt nichts, was man wohl unbedingt gesehen haben muss. Leichtathletikstadion, das wirklich nicht förderlich für Fußballatmosphäre ist. Eine ziemlich große unüberdachte Gegengerade, eine Hintertorkurve, die den Gästeblock beheimatet, sowie eine Sitzplatztribüne inkl. furchtbar hässlicher orangefarbenen Sitzschalen, die überraschend flach war. Einzig die Spanndachkonstruktion verleiht dem ganzen einen gewissen Wiedererkennungswert. Gut ist aber auch das nicht. Die zweite Hintertorseite ist überhaupt nicht ausgebaut, was für ein Stadion dieser Größe auch eher unüblich sein dürfte. Da gabs aber immerhin einen netten Biergarten mit Garnituren und Schirmen. Bestimmt ganz gemütlich im Sommer. Alles in allem verstehe ich, dass es in Oldenburg schon lange den Wunsch nach einem neuen Stadion gibt.
    Unsere Plätze waren auf Höhe Mittellinie; Karten gab es für 24 € zzgl. Versand im Vorverkauf.


    Das heimische Maskottchen soll wohl den viel zitierten "Geist von Donnerschwee" darstellen, sieht aber eher aus wie ein Spermium oder ein runter gehungertes Michelin Männchen. Skurriles Vieh.


    Oldenburg ging als Spitzenreiter in das Derby, während die ambitionierten Gäste den eigenen Erwartungen bisher hinterher hinken. Der Favoritenrolle konnte der VfB allerdings nicht wirklich gerecht werden. Das meiste Geschehen spielte sich zwar in der Hälfte der Gäste ab, aber Torchancen konnten sich beide nur wenige erarbeiten. Als die Kickers in der 20. Minute dann den Führungstreffer erzielten, war dies daher auch absolut nicht unverdient. Auch danach kam Oldenburg bis zum Pausenpfiff nicht wirklich in die Gänge. Zufrieden dürfte man demnach nicht in die Kabine gegangen sein.


    Nach der Halbzeit kam man aber gut ins Spiel und nach nur fünf Minuten ertönte die stimmungsvolle Torhymne. Danach die beste Phase des Spiels, allerdings blieb der Führungstreffer aus. In einen umkämpften, aber wenig ansehnlichen Duell auf Augenhöhe, ließ der entscheidende Treffer bis zur Nachspielzeit auf sich warten. Umso größer dann aber der Jubel. Spiel gedreht, Tabellenführung behauptet und das alles im Derby. Gibt wohl Schlechteres.
    Die Bezeichnung Derby habe ich guten Gewissens mal aus den Medien übernommen, da es definitiv eine gelebte Rivalität zwischen beiden gibt und da oben sonst ja auch nichts in der Nähe ist. Weiß ehrlicher Weise aber nicht, ob die beiden Fanlager auch davon sprechen würden oder ob für die Oldenburger das Derby im Zweifel nur gegen Meppen ist.


    5.000 Zuschauer sind - gerade für Regionalliga Nord-Verhältnisse - schon eine Ansage. Gegengerade und Tribüne wirkten auch optisch gut gefüllt.
    Das Publikum auf der Tribüne habe ich schon als eher gediegen und typisch norddeutsch gelassen wahrgenommen. Keine Asis, kein Gepöbel, kein Gemecker. Der Kontrast dazu einen Tag später in der Lohrheide war schon ganz witzig.


    Die heimische Fanszene rund um die Hauptgruppe "Succade Ultra" - weitere wären "Blue Flames" und "Fiends" - hat ihren Standort mittig auf der Gegengeraden. Optisch wusste man sehr zu überzeugen, sowohl was die Zaunbeflaggung als auch das Geschwenke während der 90 Minuten anging. Akustisch war es leider aber doch eher dürftig. Der aktive Haufen hat sein Bestes gegeben, aber der Rest hat wenig Notiz davon genommen. Und mit so viel Schallschluckern im Block, ohne Dach und ohne Rückwand wirds halt schwer.
    Im Vergleich dazu war Trier, die vor drei Wochen eine ähnliche Zahl an aktiven vorzuweisen hatten und ebenfalls auf der Gegengeraden standen, sehr viel lauter. Da gab es aber eben auch ein Dach und die Gerade war viel kleiner.
    Wie gesagt, kein stimmungsförderndes Stadion da in Oldenburg.
    Zu Ehren von 125 Jahre Kieler SV Holstein gab es noch ein Banner für ihre Freunde. Überraschender Weise waren die aber nicht anwesend (oder zumindest nicht mit Banner vertreten).


    Die Gäste aus Emden haben mich sehr positiv überrascht. Viel mitkriegen tut man hier in den Breitegraden ja leider nicht von deren Szene, weshalb es für mich eine kleine Wundertüte werden sollte. Überraschung geglückt.
    Ich schätze mal, dass da locker 400 Leute aus Ostfriesland angereist sind, die sehr kompakt zusammen standen. Nach etwa fünf Spielminuten kamen noch zwei, drei Autoladungen aus Meppen dazu, welche mutmaßlich von ihrem Spiel rüber gefahren sind. Die aktive Szene rund um "Block 5" legte auf jeden Fall sehr ordentlich los und hatte mindestens in den ersten 20 Minuten die akustische Oberhand. Liedrepertoire zwar sehr austauschbar, aber dafür war die Mitmachquote bemerkenswert.
    Gepöbelt wurde von beiden Seiten zwischendurch mal, gerade am Anfang, aber nur sehr dosiert und nie peinlich.


    Aufgrund eines Notarzteinsatzes auf der Gegengeraden stellten beide Fanlager in der 65. Minute für über 20 Minuten den Support ein. Dass dann nach Wiederaufnahme der Gesänge direkt in der Nachspielzeit der Siegtreffer fiel, passte natürlich hervorragend.


    Nach dem Spiel noch ein wenig die Feierei begutachtet und danach ging es zurück zum Auto und man war sehr zügig wieder auf der Autobahn und schlussendlich auch im Ruhrgebiet. Alles in allem ein runder Ausflug, der Freude gemacht hat. Wieder komme ich aber wohl erst, wenn das neue Stadion steht.


    Spielhighlights auf Youtube

    Wattenscheid statt Bochum

  • Das heimische Maskottchen soll wohl den viel zitierten "Geist von Donnerschwee" darstellen, sieht aber eher aus wie ein Spermium oder ein runter gehungertes Michelin Männchen. Skurriles Vieh.

    Heilige Scheiße, ist das Vieh hässlich! ;D

    Det' Vestegnen mod København. Det' kampen, hvor vi lægger dem i graven.

    Blod på trøjen det er ikke nok...!

  • Das heimische Maskottchen soll wohl den viel zitierten "Geist von Donnerschwee" darstellen, sieht aber eher aus wie ein Spermium oder ein runter gehungertes Michelin Männchen. Skurriles Vieh.

    Heilige Scheiße, ist das Vieh hässlich! ;D


    :was:


    Und wie heißt das/die? Bukakkerstin? SpHermine?

  • Das Ding ist für mich in einer Liga wie dieses mutierte Viech in Gladbach. :D

    Du wirst koana vo UNS

    In a world of compromise....Some don’t.


    Hängt die Nazis solange es noch Grüne gibt!

  • In Wirklichkeit waren wir mit Anpfiff aber erst drin, da es ganze 45 Minuten gedauert hat, einen Parkplatz zu finden. Absolute Vollkatastrophe, totaler Stau auf der Hauptstraße, keine offiziellen Parkplätze.


    Ankunft am Stadion war eine Stunde vor Anpfiff geplant. In Wirklichkeit waren wir mit Anpfiff aber erst drin, da es ganze 45 Minuten gedauert hat, einen Parkplatz zu finden. Absolute Vollkatastrophe, totaler Stau auf der Hauptstraße, keine offiziellen Parkplätze. Auf der Homepage von der Eintracht stand im Vorfeld auch nichts zur Anfahrt, also wird man da als Auswärtiger nicht gerade gut abgeholt.

    Das ist in der Tat schwierig. Ich war beim Pokal gegen den TuS Koblenz da und sehr früh dran.

    Da hab ich dann Östlich vom Stadion in einer Querstraße der B49 geparkt und bin dann so ca. 5-10 Minuten zwischen den Tennisplätzen und dem Friedhof zum Stadion gelaufen.

    Mensch, ist ja blöd gelaufen. Schade, dass ihr beiden niemanden kennt, der euch vielleicht weiterhelfen könnte :P

    Reinfliegen in jedes Duell und hoffen, dass danach der andere liegt und nicht du.


    Matthias Lehmann

  • Regionalliga Nord (4):

    Bremer SV - VfB Lübeck

    :deubsvhb: 2:3 (1:3) :deulue:




    Endlich Panzenberg. Stand schon lange weit oben auf meiner Liste und so ging es über die A1 hoch in den Bremer Stadtteil Walle. Da ich über eine Stunde vor Anpfiff da war, war parken ganz entspannt vor dem Eingang unter der Autobahnbrücke möglich. Schon hier fiel die hohe Polizeipräsenz auf, was wohl sicher daran lag, dass weder Werder noch der HSV zeitgleich spielten und man einen Stellvertreterkrieg befürchtet haben dürfte.


    Eintritt für nen 10er, keine Kontrollen und rein in die urige Bude. Ich war wirklich direkt schockverliebt. Was für ein geiles Teil. Überall Aufkleber, überall kleine liebevolle Details, dadurch vieles einfach bunt bzw. eher blau statt grau. Alle entspannt, kultige Anzeigetafel und eine super Auswahl am Fanshop. Wimpel, Tasse und Schal liegen nun bei mir zuhause. Zum Bier (Brau Union Bremen) kann ich leider nichts sagen, da ich als Fahrer nur zum Radler gegriffen hab. Gabs inkl. Pfand im Hartplastikbecher mit Vereinswappen für 5,50 €. Die Würste (normal und vegan) konnte man beide gut essen, aber waren jetzt auch nicht besonders toll. Jeweils vier Euro.


    Wie schon gesagt, hat mich das Stadion am Panzenberg total abgeholt. Hinter den Toren gibt es jeweils keinen Ausbau bzw. auf der einen Seite schön angesprühte Toiletten-Container und auf der anderen Seite eine (!) Sitzreihe. Dafür weiß der Rest aber zu überzeugen. Auf der unüberdachte Gegengerade findet man unten drei Sitzreihen und darüber Stehplätze. Relativ hohe Stufen, wodurch die Sicht echt gut ist. Auch hier wieder optische Highlights, da die Stufen auf der einen Hälfte blau angestrichen und in weiß das Gründungsjahr 1906 dran gerollt wurde. Richtig stark. Schade und irgendwie komisch, dass man das nicht für die gesamte Gegengerade durchgezogen hat.

    Ein kleines Kamerahäuschen mittig teilt die Gerade in die besagten zwei Hälften. Die Wohnhäuser direkt hinter dem Stadion und der Fernsehturm, der über den gesamten Stadtteil thront, geben dem ganzen nochmal extra Charme.

    Einziger Minuspunkt für die Gegengerade ist, dass zwischen Spielfeld und Stankett noch ein etwa fünf Meter breiter Streifen gepflastert wurde, weshalb man nicht so nah am Spielgeschehen ist.


    Highlight ist aber natürlich die schöne Holztribüne, welche ebenfalls unten drei Reihen Sitze und ansonsten Stehplätze beherbergt. Dass die Tribüne von außen in Blau angestrichen wurde, erhöht den Charme nochmal. Rechts und links von der Tribüne befinden sich zudem unüberdachte Stehplätze, wovon die rechte Seite (mit Blick auf die Tribüne) als Gästeblock fungiert.
    Komischer Weise gibt es kein Flutlicht in dem Stadion, was gestern hinten raus bei Regen und zu der Jahreszeit fast noch problematisch wurde trotz 14 Uhr Anpfiff.


    Bei ziemlich schlechten Platz- und Wetterverhältnissen ging das Geschehen auf dem Rasen sehr unterhaltsam los. Die Gäste aus Lübeck überrollten die Bremer und so stand es nach 17 Minuten bereits 0:3. Autsch. Komischer Weise wendete sich ab da aber das Blatt völlig, drei Minuten später der Anschlusstreffer und optisch von da an der BSV überlegen. Da wird man in Walle sicher mit sich hadern, wieso man die Anfangsphase dermaßen verpennt hat, denn die schlechtere Mannschaft war man 75 Minuten lang definitiv nicht. Im Gegenteil, die besseren Chancen würde ich den Blauen attestieren, aber es blieb beim 1:3 zur Pause.
    Ein ähnliches Bild nach dem Seitenwechsel und nachdem in der 72. Minute das 2:3 fiel, drängten die Gastgeber auf den Ausgleich. Sollte aber leider nicht sein. Ein Spiel, nach dem der Heimangang sicher mit gemischten Gefühlen nach Hause gegangen ist. Grundsätzlich eine anständige Leistung, aber die Anfangsphase darf man natürlich niemals so verpennen.


    Apropos Heimanhang. 1.096 Zuschauer waren da, was bei dem Wetter sicher ordentlich ist. Die meisten davon unter dem Dach, aber auch die Gegengerade füllte sich nach und nach, als der Regen zum Anpfiff hin schwächer wurde. Eine Ultraszene gibt es am Panzenberg bekanntlich nicht, aber das heißt absolut nicht, dass die Fanszene nicht dennoch aktiv, kreativ und lebendig ist. Gleich drei kleine Stimmungszentren konnte man ausmachen. Unter dem Dach hinter einer Fahne "Die Alten von der Haupttribüne", auf der nicht bemalten Hälfte der Gegengeraden der Fanclub "Hauptsache Blau" und auf der anderen Seite die "Antifa Panzenberg". Dauergesang oder brachiale Lautstärke sollte man natürlich nicht erwarten, aber von allen drei Grüppchen gab es immer mal wieder Schlachtrufe oder (teils witzige und selbst ironische) Gesänge. Auch den ein oder anderen Wechselgesang.
    Als Außenstehender fragt man sich natürlich, wieso nicht alle sangesfreudigen zusammen stehen, aber es wird sicher seine Gründe haben und böses Blut untereinander schien es definitiv nicht zu sein.


    Mein Standort war übrigens auf dem hinteren Teil der Gegengeraden bei "Hauptsache Blau", um auch die Gästefans gut sehen zu können. Das dachte sich auch eine etwa 15 köpfige Truppe mutmaßlicher Werder-Ultras, die die Gegenseite aufmerksam beäugt hatte. Mehr aber auch nicht. Übrigens wurde im Vorfeld des Spiels vom Verein darauf hingewiesen, dass das Tragen von Werder-Klamotten diesmal verboten sei. Man wollte wohl extra Provokationen gegenüber der Koalition Lübeck/HSV vermeiden.


    Alles in allem hat mich die Bremer Fanszene wirklich sehr begeistert. Vergleiche mit Altona tun sich natürlich auf, aber ich habe mich mehr an Tennis Borussia Berlin erinnert gefühlt. Passt ja dann sogar, dass beide befreundet sind. Starke Zaunfahnenkultur beim BSV übrigens. Vor dem Spiel und in der Halbzeit lief noch Musik aus diversen JBL-Boxen, die in meinem Bereich der Geraden an Wellenbrechern befestigt wurden vom "Radio Blaue Welle". Auch das irgendwie cool, wenn ich auch nicht verstehe, wieso man das nicht mit der Stadionregie kombinieren kann, sondern parallel seine eigene Musik spielt. Aber auch hier wird das sicher seine Gründe haben. Extrovertiertere Leute als ich könnten sowas sicher auch einfach vor Ort erfragen...


    Aus Lübeck waren ca. 200 bis 250 Gäste angereist, würde ich schätzen. Unterstützung gab es von einer Abordnung HSV-Ultras. Generell war die Szene ums "Ultra Kollektiv Lübeck" 90 Minuten aktiv, hatte aber nur wenige Ausreißer nach oben und blieb etwas hinter meinen Erwartungen. Die Jungs werden es wohl überleben. Wetterverhältnisse im unüberdachten Gästeblock waren natürlich auch hart, Sonntag und unteres Mittelfeld in der Regionalliga tun dann ihr übriges. Dafür war es dann wohl doch grundsolide.


    Alles in allem ein runder Stadionbesuch, der mich wirklich begeistert hat. Der Panzenberg hat mich sicher nicht zum letzten Mal gesehen und bei gutem Wetter macht es bestimmt noch um ein vielfaches mehr Spaß.

    Wattenscheid statt Bochum

  • Da waren wir ja beim gleichen Spiel. :D Kann den Bericht vollumfänglich unterschreiben. Panzenberg 1A.

    "Zu dumm für Hamburg, zu hässlich für Berlin."




  • Mittig auf der Haupttribüne, war einmal zum Fotos machen drüben, aber auch nur bis zur Mittellinie.

    "Zu dumm für Hamburg, zu hässlich für Berlin."




  • Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar (5):

    TuS Koblenz - FC Cosmos Koblenz

    :deukob: 2:2 (1:1) :deucosko:



    Nachdem es zuletzt zweimal in den Norden ging, war diesmal wieder der Südwesten dran. Ziel war das Stadion Oberwerth zu einem Heimspiel der mittlerweile bis in die Oberliga abgestürzten TuS aus dem schönen Koblenz.

    Anreise lief entspannt und da ich frühzeitig eingetroffen bin, konnte ich auch noch auf dem Parkplatz direkt am Stadion stehen. Sehr schön.


    Für 16 € ging es auf die Gegengerade, Bier (Königsbacher) wurde nicht verköstigt, dafür aber Krakauer und Rindswurst. Beides machbar. Passend zur Region hätte es auch Weißwein gegeben. Leider keine Option als Fahrer gewesen.


    Das Stadion Oberwerth ist wirklich ein schönes Ding. Zwar ein Leichtathletikstadion mit der obligatorischen überdachten Sitztribüne und zwei offenen Kurven, aber mit den Bergen im Hintergrund schön gelegen und der kleinen Haupttribüne sieht man definitiv an, dass die schon einiges erlebt hat. Wenn ich es richtig gesehen hab, waren das auch Holzbänke und keine Sitzschalen. Auf das Dach wurde eine Art kleine "Bushaltestelle" für die Kamera drauf gebaut. Hatte was. Ähnlich wie in Trier gab es in der heimischen Nordkurve ein Marathontor mit einer kleinen Brücke drüber und dahinter eine moderne LED-Anzeigetafel.

    Die Südkurve ist seit dem Abstieg aus der 2. Bundesliga nicht mehr nutzbar und dient nur noch als Werbefläche. Das selbe gilt für das Stück zwischen Haupttribüne und Südkurve. Teilweise sind die Stufen sogar abgerissen.

    Auf der Gegengeraden findet man fast über die gesamte Länge unüberdachte Sitzplätze und der hinterste Block, der in die Südkurve übergeht, würde als Gästeblock dienen.
    Eine dieser runtergerockten blauen Sitzschalen auf der Gegengerade war dann auch mein gewählter Platz, damit ich das Geschehen im Heimblock gut im Blick hab, was von der Haupttribüne nicht möglich gewesen wäre. Da es zum Glück über die gesamte Zeit trocken blieb, alles richtig gemacht.


    In der Regel versuche ich zwar immer, Spiele mit Gästefans mitzunehmen, aber da das in der Liga nur auf das Duell gegen Worms zutrifft und es im Stadion Oberwerth eh keinen Platz gibt, von dem man sowohl Heimszene als auch Gästeblock gut sehen kann, fiel meine Wahl stattdessen auf eines der Stadtderbys. In der Oberliga spielen aktuell neben der traditionsreichen TuS auch noch Rot-Weiß und Cosmos Koblenz. Während man Rot-Weiß durch deren Regionalligajahre und Teilnahmen am DFB-Pokal mittlerweile sicher kennen dürfte, war mir Cosmos komplett neu. Sind die aber halt auch wirklich, denn den Verein gibt es erst seit 2007. Von der Kreisliga D ging es dann immer wieder hoch bis in die Oberliga (2023) und nachdem es direkt wieder runter ging, gelang letzte Saison der Wiederaufstieg. Leider konnte ich im Internet nichts zu den Hintergründen bei Cosmos finden. Wenn ein so junger Club so schnell wieder und wieder aufsteigt, gehen bei mir zumindest die Alarmglocken an, aber wie gesagt, meine Recherche konnte nichts aufdecken.


    Die Favoritenrolle lag dennoch bei den Gastgebern und so sah die erste Halbzeit auch aus. Nach vier Minuten Elfmeter für die TuS, der sensationell schlecht daneben geschossen wurde. Aber auch danach deutlich überlegen gewesen und nach 33 Minuten endlich die hochverdiente Führung. Cosmos war bei Kontern zwar stets gefährlich, aber die ambitionierten Schängel hätten deutlich höher führen müssen. So kam es, wie es kommen musste, und nach einem Torwartfehler in der Nachspielzeit, musste ein Schwarz-Blauer auf der Linie klären. Dummerweise nutzte er dafür aber die Hand, bekam zurecht glatt Rot und Cosmos glich mit dem Pausenpfiff via Elfmeter aus.


    Wenige Sekunden nach Wiederanpfiff, auf Heimseite schien noch niemand wach zu sein, gingen die Gäste sogar in Führung. Auch hier sah der Keeper unglücklich aus. Absolut unpassend zum bisherigen Spielverlauf sollte man nun also in Unterzahl 45 Minuten lang einem Rückstand hinterher rennen. Die TuS zwar spielbestimmend, aber Cosmos konnte die nun entstehenden Räume oft sehr gefährlich nutzen, weshalb sich ein sehr unterhaltsames Spiel entwickelte. Zum Glück fiel in der 83. Minute der herbeigesehnte Ausgleich, mehr war trotz aller Bemühungen aber leider nicht drin und vermutlich muss man auch zufrieden damit sein, dass man sich nicht noch ein Kontertor fing. Tabellarisch leider trotzdem unbefriedigend, da der Abstand zur Spitze größer wird.


    1.200 Zuschauer wohnten dem Spektakel bei. Ist zwar knapp über dem Schnitt der TuS, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass meine Hoffnung, dass so ein Stadtduell mehr Zuschauer ziehen könnte als ein normales Spiel, zutraf. Vielleicht sind Duelle gegen Rot-Weiß, mit denen man sich ja auch das Stadion teilt, etwas emotionaler aufgeladen, keine Ahnung. Am Sonntag war das jedenfalls nicht der Fall und es wurde auch an keiner Stelle thematisiert, dass es um mehr als nur drei Punkte gehen könnte.


    Die Haupttribüne und der direkt angrenzende Bereich der Nordkurve, in dem die aktive Fanszene steht, waren ganz gut gefüllt, ansonsten hat sich das schon sehr verlaufen im Stadion. "Inferno Koblenz" & Co. haben mich wirklich sehr positiv überrascht. Klar, waren nicht super viele, es war auch meist nicht besonders laut, aber es war ein sehr stimmiger Ultra-Auftritt mit individuellem Liedgut und teilweise über 15 Minuten gestreckten Gesängen. Gefällt sicher nicht jedem, denn auf Massentauglichkeit wurde null gesetzt, aber bei so einem tristen Oberliga-Kick für mich einfach gut und sinnvoll, dass man sich da auf sich selbst besinnt und sein Ding durchzieht. Es hätte halt eh keine Masse gegeben, die man hätte mitziehen können. Für mich beide Daumen hoch, hat mir sehr gut gefallen.


    Nach dem Spiel ging es ohne Zwischenfälle wieder zurück in den Pott. Toller Ausflug gewesen. Empfehlung meinerseits für das Stadion Oberwerth und die Koblenzer Szene.

    Wattenscheid statt Bochum

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